Ihn Chaldun und seine Cnlturgeschichte der islamischen Eeiche.
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er seine Auffassung der Geschichte, nicht als Darstellung des
Aufeinanderfolgens der politischen Ereignisse und des Lebenslaufes
der sich ablösenden Dynastien, sondern der geistigen
und materiellen Entwicklung der Völker.
,Die Geschichte hat den Zweck, Nachricht zu gehen von
der socialen Gruppirung der Menschheit, das ist: der Gesellschaft,
sowie von den verschiedenen Zuständen, welchen im
naturgemässen W ege die Gesellschaft ausgesetzt ist, als: dem
wilden Leben, der Verfeinerung der Sitten, dem Gemeinsinn
der Familie und des Stammes, den verschiedenen Arten von
Ueberlegenheit, welche die Völker gegen einander erwerben
und woraus die Reiche und Dynastien entstehen u. s. w. endlich
aber von allen Veränderungen, welche die Natur der Dinge
im Charakter dieser Gesellschaft bewirken kann.' 1
An diese Definition dessen, was er für die Hauptaufgabe
der Geschichte hält, knüpft er seine Ansichten über die historische
Kritik. Er bezeichnet als die letzte, aber nicht unwichtigste
Ursache der vielfachen Irrthümer der Geschichtsschreiber
das mangelhafte Verständniss der Geschichte, die
Unkenntniss der Natur der durch die Gesellschaft geschaffenen
Verhältnisse. 2
Denselben Gedanken entwickelt er weiter, wie folgt:
.Unter so bewandten Umständen ist die Regel, welche man
anwenden muss, um in den Erzählungen die Wahrheit von dem
Irrthum zu unterscheiden und die sich auf die Unterscheidung
des an und für sich Möglichen von dem an und für sich Unmöglichen
gründet, das Studium der menschlichen Gesellschaft,
das ist der Civilisation; dann die Unterscheidung einerseits
dessen, was in ihrem Wesen und in ihrer Natur begründet ist,
anderseits aber dessen, was accidentell und nicht weiter zu berücksichtigen
ist; endlich die Erkenntniss dessen, was von
vorne her ausgeschlossen ist/ 3
Mit einer allerdings etwas kindlichen Zuversicht, die jedoch
in der lebendigen Einbildung des Arabers ihre Erklärung
1 I, 71 (56). Die erste Zahl bezeichnet Band und Seite der in den Notiees
et Extraits erschienenen französischen Uebersetzung von de Slane, die
zweite gibt die Seite des arabischen Textes.
2 I, 73 (57).
3 I, 77 (61).