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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 93. Band, (Jahrgang 1879)

Ihn  Chaldun  und  seine  Cnlturgeschichte  der  islamischen  Eeiche.

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er  seine  Auffassung  der  Geschichte,  nicht  als  Darstellung  des
Aufeinanderfolgens  der  politischen  Ereignisse  und  des  Lebenslaufes ­
  der  sich  ablösenden  Dynastien,  sondern  der  geistigen
und  materiellen  Entwicklung  der  Völker.
,Die  Geschichte  hat  den  Zweck,  Nachricht  zu  gehen  von
der  socialen  Gruppirung  der  Menschheit,  das  ist:  der  Gesellschaft, ­
  sowie  von  den  verschiedenen  Zuständen,  welchen  im
naturgemässen  W  ege  die  Gesellschaft  ausgesetzt  ist,  als:  dem
wilden  Leben,  der  Verfeinerung  der  Sitten,  dem  Gemeinsinn
der  Familie  und  des  Stammes,  den  verschiedenen  Arten  von
Ueberlegenheit,  welche  die  Völker  gegen  einander  erwerben
und  woraus  die  Reiche  und  Dynastien  entstehen  u.  s.  w.  endlich ­
  aber  von  allen  Veränderungen,  welche  die  Natur  der  Dinge
im  Charakter  dieser  Gesellschaft  bewirken  kann.' 1
An  diese  Definition  dessen,  was  er  für  die  Hauptaufgabe
der  Geschichte  hält,  knüpft  er  seine  Ansichten  über  die  historische ­
  Kritik.  Er  bezeichnet  als  die  letzte,  aber  nicht  unwichtigste ­
  Ursache  der  vielfachen  Irrthümer  der  Geschichtsschreiber ­
  das  mangelhafte  Verständniss  der  Geschichte,  die
Unkenntniss  der  Natur  der  durch  die  Gesellschaft  geschaffenen
Verhältnisse. 2
Denselben  Gedanken  entwickelt  er  weiter,  wie  folgt:
.Unter  so  bewandten  Umständen  ist  die  Regel,  welche  man
anwenden  muss,  um  in  den  Erzählungen  die  Wahrheit  von  dem
Irrthum  zu  unterscheiden  und  die  sich  auf  die  Unterscheidung
des  an  und  für  sich  Möglichen  von  dem  an  und  für  sich  Unmöglichen ­
  gründet,  das  Studium  der  menschlichen  Gesellschaft,
das  ist  der  Civilisation;  dann  die  Unterscheidung  einerseits
dessen,  was  in  ihrem  Wesen  und  in  ihrer  Natur  begründet  ist,
anderseits  aber  dessen,  was  accidentell  und  nicht  weiter  zu  berücksichtigen ­
  ist;  endlich  die  Erkenntniss  dessen,  was  von
vorne  her  ausgeschlossen  ist/ 3
Mit  einer  allerdings  etwas  kindlichen  Zuversicht,  die  jedoch ­
  in  der  lebendigen  Einbildung  des  Arabers  ihre  Erklärung
1  I,  71  (56).  Die  erste  Zahl  bezeichnet  Band  und  Seite  der  in  den  Notiees
et  Extraits  erschienenen  französischen  Uebersetzung  von  de  Slane,  die
zweite  gibt  die  Seite  des  arabischen  Textes.
2  I,  73  (57).
3  I,  77  (61).
            
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