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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 93. Band, (Jahrgang 1879)

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Werner.

wissen;  Mittler  der  wahren  und  richtigen  Erkenntniss  des  Inhaltes ­
  der  Offenbarung  ist  der  Papst  als  Oberhaupt  der  Kirche
und  unmittelbarer  Stellvertreter  Gottes  auf  Erden. 1  Baco  spricht
in  diesem  Satze  aus  dem  unmittelbaren  Bewusstsein  seiner
Zeit  heraus,  deren  Anschauungen,  weil  und  soweit  er  in  ihnen
lebt,  für  ihn  die  Geltung  unmittelbarer  rationaler  Evidenz  haben;
es  ist  ihm  undenkbar,  wie  die  nun  einmal  factisch  bestehende
sittliche  Ordnung  auf  Erden,  die  in  der  christlichen  Gesellschaft
repräsentirt  ist,  ohne  ihre  centrale  Zusammenfassung  in  einem
höchsten  menschlichen  Haupte  Bestand  haben  könnte.  Auch
hier  berührt  sich  Baco  merkwürdiger  Weise  mit  einem  Gedanken, ­
  welchen  Nikolaus  Cusanus  in  seiner  späteren,  auf  das
Basler  Concil  folgenden  Entwickelungsepoche  seiner  kirchlichen
Anschauungen  entwickelte.  In  einer  während  des  Frankfurter
Fürstentages  a.  1442  abgefassten  Schrift 2  fasst  er  das  Verhältnis
des  Papstes  zur  Kirche  nach  Analogie  des  Verhältnisses  Adams
zum  menschlichen  Geschlechte,  Gottes  zur  Welt.  Wie  die
Kraft  der  Einheit  der  menschlichen  Natur  aus  dem  das  ganze
Menschengeschlecht  umfassenden  Adam  sicli  auswickelte,  und
Gottes  Schöpferkraft  in  den  Geschöpfen  sich  entfaltet,  so  die
verschiedenen  Abstufungen  der  kirchlichen  Gewalt  aus  ihrer
ursprünglichen  ungeschiedenen  Einigung  in  Petrus,  dem  gottbestellten ­
  Haupte  der  Kirche,  welches  aber,  indem  es  die  verschieden ­
  abgestuften  besonderen  Gewalten  aus  sich  entlässt,
die  höchste  und  universale  Gewalt  ungeschwächt  zu  behaupten
fortfährt,  und  die  aus  ihm  emittirten  besonderen,  ihrer  Natur
nach  beschränkteren  Gewalten  der  Patriarchen,  Metropoliten,
Bischöfe  und  Priester  umschliessend  in  sich  fasst,  so  dass  es
im  Grunde  keine  Gewalt  ausser  jener  dieses  Ersten  (des  Petrus
und  seiner  Nachfolger)  gibt.

1  Der  letzte  der  siebzehn,  aus  der  Metaphysik  zum  Unterbau  der  Moral
entlehnten  Sätze  lautet:  Quod  uni  tantum  fieri  debet  revelatio,  quod  iste
debeat  esse  mediator  Dei  et  hoininum  et  vicarius  Dei  in  terra,  eui  subjiciatur
  totum  genus  hominum,  et  cui  credere  debeat  sine  contradietione
....  et  iste  est  legislator  et  summus  sacerdos,  qui  in  spiritualibus  et
temporalibns  habet  plenitudinem  potestatis  tanquam  Deus  humanus,  ut
dicit  Avicenna  in  10  Metaph.,  quem  licet  adorare  post  Deum.  De  philos.
mor.,  c.  1.
2  Ad  Roderic.nm  de  Trevino  Archidiaconum.
            
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