Die Psychologie, Erkenntniss- und Wissen Schafts lehre des Roger Baco. 553
tator Hali 1 erläutert an einem Beispiele, wie das in seiner Allgemeinheit
richtige Judicium astronomicum durch zufällige
irdische Sonderursachen, unter welche auch der freie menschliche
Wille gehöre, seiner Anwendbarkeit auf einen bestimmten
concreten Fall beraubt werden könne. 2 Avicenna, der Ergänzer
der Arbeiten des Ptolomäus, .hebt hervor, dass das
unstäte Wesen der den Processen eines stetigen Werdens und
Vergehens unterworfenen irdischen Körperlichkeit eine durchgreifende
absolut bestimmende Wirksamkeit der siderischen
Potenzen nicht zulasse. Messelialak :1 beleuchtet die Bedeutung
1 Aboazen Hali, ein spanischer Astrolog, dem dreizehnten Jahrhundert angehörig,
classischer Repräsentant der Astrologie, Verfasser des Werkes
de judiciis astrorum. — Ausser diesem Hali gab es mehrere arabische
Aerztc mit dem Namen Hali oder Ali, deren zwei Baco gekannt haben
konnte. Der eine derselben, Ali Ebn Abbas (f 994), Leibarzt des Chalifen
von Bagdad, ist der Verfasser eines Almaleci betitelten Werkes, welches
von Stephanus Antiochenus ins Lateinische übersetzt wurde, und unter
dem Titel: Regalis dispositionis theoreticae et praeticae libri XX, auch
gedruckt erschien (Venedig'1492 fol., Leyden 1523, 4.). Ein zweiter, nach
seiner Vaterstadt Tripolis benannter Hali: Hali al Tarabulsi (c. a. 1219),
hinterliess ein medicinisch-cliemisches Werk: Zinal al hachim (Zierde
des Weisen), welches in vier Abtheilungen von den Mineralien und deren
Zubereitung für Zwecke der Heilkunde, vom Nutzen der Tlieile des
Körpers nach den Ansichten des Galenus, vom Steine der Weisen und
ähnlichen Dingen handelt. Von daher möchte Baco Secret. op. nat.,
capp. 10 u. 11 entlehnt sein, die sich offen als Entlehnungen aus den
Schriften eines moslimischen Verfassers zu erkennen geben.
2 Hali .... addit exemplum, quod patre suo se abscondente cum aliis a
facie imperatoris astrologus visitaus eiun quotidie praecepit poni concham
maximam aeneam plenam aqua, supra quam poneretur scabellum, consuluitque
ei, ut desuper sederet in majore parte diei; et hoc ideo praecepit,
ut faceret errare astrologos imperatoris in existentia absconditorum. Dixerunt
enim, quod esset in medio maris propter similitudinem aquae conehae, eui
superinsederat. Distinguere enim inter hoc et illud non poterant propter
continentis et contenti similitudinem. Aqua enim undique continebatur,
et vasis concavitas alvei marini concavitatem expressit. Op. maj., p. 114.
3 Messehala oder Macha-Allah, jüdischer Astrolog, der zweiten Hälfte des
neunten Jahrhunderts angehörig. Von seinen Schriften wurden im fünfzehnten
und sechzehnten Jahrhundert gedruckt: De receptionibus planetarum
i. e. de interpretationibus. De revolutionibus annorum mundi. De
scientia orbis motus. De elementis et orbibus coeli. Ausserdem sind
handschriftlich vorhanden: Astrolabium. De natura orbium. De judiciis
astrorum. Problemata astrologica. Themata genethliaca. Planetarum conjunctiones
etc.