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Werner.
Wie die Geometrie die unterste, so ist die Astronomie
die oberste der mathematischen Disciplinen. In die Astronomie
als Himmelskunde wird von Baco auch die astronomische Erdkunde
und die Zeitkunde einbezogen; er unterscheidet ferner
zwischen mathematischer und physikalischer Astronomie, so
dass die Astronomie ein integrirendes Glied sowohl der mathematischen
als auch der physikalischen Wissenschaften bildet.
Die mathematische Astronomie zerfällt ihm in die theoretische
und praktische Astronomie; die physikalische Astronomie führt
er unter dem Titel Astronomia judiciaria ein. Die Aufgabe
der theoretischen Astronomie 1 ist, die Zahl und Gestalt der
Himmelskreise und Sterne festzustellen, ihre Grössen, Entfernungen
von der Erde und Dichtigkeiten zu bestimmen, Aufund
Niedergang, Bewegungen und Eklipsen der Gestirne genau
anzugeben, die Grösse und Gestaltung der Erde zu bestimmen,
die durch ihr Verhältniss zur Himmelswelt bedingten klimatischen
Unterschiede der Erdoberfläche, und die durch dasselbe
Verhältniss bedingten irdischen Zeiten auseinander zu setzen.
Der praktischen Astronomie gehört die Anleitung zur Verfertigung
der für die Functionen der theoretischen Astronomie
nöthigen Instrumente, die Anfertigung der astronomischen Tafeln
und Verzeichnisse, die Kenntniss der Regeln der astronomischen
Praxis an. Die Astronomia judiciaria 2 erforscht die natürlichen
Kräfte der Himmelskreise und Gestirne, und deren Einwirkungen
auf die tellurische Welt; soweit sie zu einer praktischen Verwerthung
der Kenntniss dieser Einflüsse anleitet, heisst sie
Astronomia operativa, die in ihrer Weise eben so hochbedeutsam
ist, als die praktische Geometrie in ihrer Anleitung zu
sinnreichen und Staunen erregenden Erfindungen. Baco hebt
zuvörderst die Würde und Hoheit der astronomischen Wissenschaft
im Allgemeinen hervor, und sucht sodann die Nothwendigkeit
und hohe Wichtigkeit ihrer einzelnen Abtheilungen
zu erweisen. Er fordert die Werthschätzung der Astronomie
im Namen der christlichen Religiosität, welche die menschlichen
optischer Vorkehrungen einen in Klüften verborgenen Drachen, dessen
Pesthauch Thiere und Menschen tödtete, entdeckt habe.
1 Op. tert., c. 30.
2 Commun. Natur. I, Pars l, dist. 1, c. 2.