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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 93. Band, (Jahrgang 1879)

Die  Psychologie,  Erkenntniss-  und  Wissenschaftslehre  des  Roger  ßaco.  541

höchsten  und  edelsten  Zwecken  der  Wissenschaft  und  menschlichen ­
  Wohlfahrt  hilfreichst  dienende  ächte  Mathematik  in  ihrem
Werthe  verkannt  und  mit  Missachtung  bei  Seite  geschoben  wird.
Unter  den  vier  Disciplinen  der  mathematischen  Wissenschaft
ist  die  Geometrie  zwar  die  mindeste;  allein  bereits  an  dieser
lässt  sich  die  hohe  Bedeutung  der  mathematischen  Erkenntniss
für  die  Lösung  der  höchsten  und  wichtigsten  Fragen  aller  göttlichen ­
  und  menschlichen  Wissenschaft,  für  die  Förderung  der
Cultur,  Wohlfahrt  und  Wohlordnung  der  menschlichen  Gesellschaft ­
  schlagendst  aufzeigen.  Freilich  mischt  sich  in  Baco’s
Ueberzeugung  von  dem  hohen  Werthe  der  Geometrie  als  geistigen ­
  Bildungsmittels  das  Bedauern,  dass  zunächst  die  theoretische ­
  Geometrie  unter  den  Lateinern  von  jeher  so  sehr  vernachlässiget ­
  worden  sei.  Aber  er  hofft  von  der  Zukunft  Besseres,
und  hat  aus  selbsteigener  Erfahrung  die  wirksame  Hilfe  erprobt, ­
  welche  ihm  das  geometrisch  geschulte  Denken  für  die
Lösung  der  schwierigsten  kosmologischen  und  metaphysischen
Fragen  leistete.  Mit  Hilfe  der  Geometrie  wurde  ihm  klar,
dass  die  Actionskraft  eines  wirkenden  Dinges  aus  der  Materie
desselben  educirt  werde, 1  dass  sie  von  einem  bestimmten
Punkte  aus  geradlinig  nach  allen  Richtungen  ausstrahle, 2  und
ihre  intensivste  Wirkung  in  den  nicht  durch  Brechung  oder
Reflexion  abgeschwächten  Strahlen  entfalte; 3  mit  Hilfe  der  Geometrie ­
  vermochte  er  die  Falschheit  der  Annahme  einer  numerischen ­
  Einheit  der  Materie  alles  Geschaffenen  aufzuzeigen. J
Mit  Hilfe  der  Geometrie  machte  er  sich  die  potenziell  ins
Unendliche  gehende  Theilbarkeit  des  Körperlichen 5  und  die
denknothwendigen  Grundgestaltungen  desselben 6  klar,  nicht
minder  die  Lehren  von  der  Einheit  und  Begrenztheit  der  Welt; 7
mit  Hilfe  der  Geometrie  ergab  sich  ihm  die  Unmöglichkeit
eines  Vacuum  in  der  Natur 8  und  die  Nothwendigkeit  des
1  Probavi  certitudinaliter,  quod  haec  virtus  educitur  de  potentia  materiae,
sicut  aliae  res  naturaliter  generatae.  Op.  tert.,  c.  31.
2  Op.  c.,  c.  32..
3  Op.  c.,  c.  36.
4  Op.  c.,  c.  38.
5  Op.  c.,  c.  39.
6  Op.  c.,  c.  40.
7  Op.  c.j  c.  41.
8  Op.  c.,  c.  43.
            
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