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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 93. Band, (Jahrgang 1879)

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540  Werner.
Den  tragenden  Unterbau  des  gesammten  Gebäudes  der
menscblicben  Realerkenntniss  constituiren  die  mathematischen
Disciplinen,  welche  nicht  bloss  eine  unentbehrliche  Vorschule
für  die  physikalischen  Wissenschaften  und  für  die  Metaphysik
sind,  sondern  ein  Guttheil  derselben  bereits  in  sich  fassen,  und
bestimmend  und  ergänzend  in  dieselben  hinübergreifen.  Baco  *1
arbeitete  ein  Volumen  verae  mathematicae  in  sechs  Büchern
aus, 1  von  welchen  vorläufig  das  erste  Buch,  die  Communia
Mathematicae  enthaltend,  handschriftlich  aufgefunden  worden
ist, 2  und  manche  erwünschte  Ergänzung  zu  den  in  den  gedruckten ­
  Werken  Baco’s  enthaltenen  Bemerkungen  über  die
mathematischen  Disciplinen  enthält.  Der  von  Baco  gewählte
Titel  seines  Werkes  über  die  Mathematik  zeigt  eine  apologetische ­
  Tendenz  seiner  Arbeit  an;  sie  hat  die  Bestimmung,  die
Würde  und  Unentbehrlichkeit  der  Mathematik  gegen  ihre  Verächter ­
  zu  erhärten.  Denn  der  Teufel,  der  Urheber  der  schwarzen
Kunst,  die  gleichfalls  eine  Mathematik,  aber  schlechtester  Art
in  sich  fasst, 3  hat  es  zu  Stande  gebracht,  dass  auch  die  den

1  Charles  (Roger  Baco  p.  84  f.)  sieht  es  als  ein  Bestandstück  des  aus
einer  Sammlung  mehrerer  Werke  bestehenden  Opus  tertium  an.  Sowohl
Charles  als  auch  Brewer  kennen  bloss  das  erste  Buch  jenes  Volumen
verae  mathematicae.  Brewer  stiess  auf  dasselbe  erst  nach  Vollendung
seiner  Druckausgabe  Baconiseher  Werke,  und  hält  es  für  ein  Bestandstück ­
  eines  von  Baco  unter  dem  Titel  Compendium  Philosophiae  geplanten
encyklopädischen  Werkes  (siehe  Brewer  p.  L  sqq.).  Er  theilt  am  Schlüsse
der  Prolegomena  seiner  Textpublication  den  Eingang  jenes  Bestandstückes
mit  (p.  C);  Charles  gibt  Textstücke  und  Auszüge  aus  dem  ersten  Buche
des  Volumen  verae  mathematicae  (p.  361—368).
2  Die  übrigen  fünf  Bücher  behandeln  laut  den  im  ersten  Buche  enthaltenen
Angaben  (siehe  Charles  p.  363)  die  vier  mathematischen  Wissenschaften
in  der  oben  schon  angegebenen  Aufeinanderfolge,  und  zwar  so,  dass  je
ein  Buch  eine  der  vier  Disciplinen  umfasst,  mit  Ausnahme  der  Astronomie,
welcher  zwei  Bücher,  das  vierte  und  fünfte,  gewidmet  sind.
3  Mathematica  est  duplex  ....  Una  derivatur  a  u.afjsm,  et  haec  est  pars
philosophiae,  quae  in  nullo  potest  reprehendi.  Alia  derivatur  a  [j-atrjaEi
vel  a  pdvT'.s  vel  a  pavtefa  secundum  Hieronymum.  Et  haec  est  secunda
species  artis  magicae,  quae  sunt  hae:  [iavti/.rj,  inxOrjp.aTO'.q,  maleficium,
praestigium,  sortilegium,  quarum  quaelibet  habet  species  multas.  Et  haec
sola  damnatur  a  sanctis  et  philosophis  similiter,  non  alia  mathematica.
Nam  haec  sola  imponit  necessitatem  libero  arbitrio  et  docet  hominem
fingere  mores  suos  in  coelo,  et  de  omnibus  nititur  certum  dare  judieium;
et  haec  est  maledicta.  Op.  tert.,  c.  65.
            
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