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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 93. Band, (Jahrgang 1879)

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Die  Psychologie,  Erkenntniss-  und  Wissenschaftslehre  des  Roger  Baco.  535
auch  in  die  höhere  Region  der  übernatürlichen  Glaubenswelt
zu  werfen.  Diese  letzteren  Aufschlüsse  sind  nun  allerdings
nicht  so  belangreich,  als  Baco  sie  hinstellt; 1  sie  beschränken
sich  in  den  von  Baco  gegebenen  Proben  auf  einige  analogische
Erläuterungen  der  höheren  übernatürlichen  Glaubenswelt  und
der  allgemeinen  kosmischen  Ordnung,  so  weit  diese  das  Verhältnis ­
  der  sichtbaren  natürlichen  Wirklichkeit  zur  unsichtbaren ­
  geistigen  Welt,  und  alles  Geschaffenen  insgemein  zum
göttlichen  Sein  und  Wirken  betrifft.  Die  wesentlichsten,  aus
der  mathematisch-physikalischen  Optik  Baco’s  geschöpften  Erläuterungen ­
  dieser  höheren  allgemeinen  Verhältnisse  sind  schon
im  Vorausgehenden  beigebracht  worden;  sie  beweisen,  dass
Baco  dem  Platonismus,  welchen  er  auf  erkenntnisstheoretischem
Gebiete  abwies,  gleich  seinem  Lehrer  Robert  auf  dem  Gebiete
der  philosophischen  Weltlehre  die  volle  Berechtigung  einräumte;
freilich  ist  es  nicht  der  von  Aristoteles  bekämpfte  Plato,  sondern
der  Neuplatonismus  in  der  theils  von  Augustinus,  theils  von
den  Arabern  adoptirten  Fassung,  an  welchen  er  sich  anlehnt.
Die  ihm  mit  Robert  von  Lincoln  gemeinsame  Anschauung  vom
Intellectus  agens  als  Erleuchter  der  Seelen  bringt  ihn  auch  in
ein  näheres  Verhältniss  zu  Wilhelm  von  Auvergne,  welchem
er  aber  freilich  wieder  nach  einer  anderen  Beziehung  zufolge
seiner  exclusiven  Bevorzugung  der  Mathematik  fast  antithetisch
gegenübersteht. 2  Die  ihm  mit  Robert  und  Wilhelm  gemeinsamen ­
  Aeusserungen  über  die  Schwäche  des  menschlichen  Intellectes,
  welche  der  speculativen  Logik  des  Conceptualismus
gelten,  zielen  bei  ihm  auf  die  Empfehlung  der  Mathematik  als
des  wahrhaften,  eigentlichen  Denkinstrumentes  ab,  und  dienen
nebstbei  seiner  Betonung  der  Bedeutung  der  individuellen  Singularität ­
  als  des  eigentlich  Seienden.  In  beiderlei  Beziehungen
steht  er  auch  seinem  Ordensgenossen  Johannes  Bonaventura

1  In  scriptura  nihil  tantum  multiplieatur  sicut  ea,  quae  pertinent  ad  oculum
et  visionein,  ut  manifestum  est  perlegenti;  et  ideo  nihil  magis  necessarium
est  sensui  naturali  et  spirituali,  sicut  scientiae  perspectivae  certitudo.
Op.  maj.,  p.  266.
2  Vgl.  uns.  Abhandlung  über  Wilhelms  v.  Auvergne  Verliiiltniss  zu  den
Platonikern  des  zwölften  Jahrhunderts.  Sitzungsber.  LXX1V.  Bd.,  S.  124  ff.
(Separatabdr.  S.  6.  ff'.)
            
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