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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 93. Band, (Jahrgang 1879)

Die  Psychologie,  Erkenntniss-  und  Wissenschaftslehre  des  Roger  Baco.  533

Begriffes  der  Materie  gelangen;  Baco  und  Duns  Scotus  ermöglichen ­
  sich  die  theilweise  Annäherung  an  ihn  durch  die  von
ihnen  vorgenommenen  Modificationen  am  peripatetischen  Begriffe ­
  der  Materie,  obschon  Duns  Scotus  als  Conceptualist  das
von  Baco  fast  ganz  bei  Seite  gesetzte  Moment  der  abstractiven
Allgemeinheit  wieder  zu  höherer  Geltung  bringt,  wenn  er  demselben ­
  auch  nicht  mehr  jenen  speculativen  Gehalt  wie  die
Thomistenschule  zuzuerkennen  vermag.
Für  Baco  hat  der  Allgemeiubegriff  nur  die  Bedeutung
eines  abgeblassten  schwachen  Wiederscheines  des  im  Reflexstrahle ­
  dem  menschlichen  Intellecte  zugemittelten  göttlichen
Gedankens  eines  bestimmten  Dinges. 1  Schon  die  Zusammensetzung ­
  des  geschaffenen  Dinges  aus  Materie  und  Form  gleicht
einer  trübenden  Zersetzung  des  einfachen  reinen  Lichtes  des
göttlichen  Gedankens  vom  Dinge;  demzufolge  kann  dieser  durch
das  geschaffene  Ding  dem  menschlichen  Intellecte  nur  unvollkommen ­
  und  in  getrübtem  Wiederscheine  vermittelt  werden.
Die  dem  diessseitigen  menschlichen  Erkennen  erreichbare  Klarheit ­
  und  Helle  ergibt  sich  durch  distincte  Auseinanderhaltung
der  constitutiven  Elemente  des  besonderen  Dinges  und  durch  Erforschung ­
  des  Zusammenhanges  seiner  Existenz  und  Wirkungsweise ­
  mit  jener  der  übrigen  Dinge  ausser  und  neben  ihm;
Baco  verweist  uns  liiemit  auf  die  analytische  Zergliederung
und  pragmatische  Erforschung  des  in  der  sinnlich-irdischen
Erfahrung  gegebenen  Erkenntnissstoffes,  ohne  indess  auf  die
in  der  peripatetischen  Metaphysik  dargebotenen  Elemente  synthetischer ­
  Verknüpfung  förmlich  verzichten  zu  wollen,  wie  sehr
er  auch  diese  seinem  Individualismus  zu  Liebe  beschränkt.
Die  wahrhafte  vollkommene  Verknüpfung  der  verschiedenen
Elemente  und  Beziehungen  der  in  der  sinnlichen  Erfahrung
gegebenen  Singularitäten  liegt  in  den  göttlichen  Gedanken  derselben, ­
  und  ist  Gegenstand  dereinstiger  geistiger  Anschauung
in  einer  zukünftigen  vollendeten  Welt  und  Wirklichkeit,  welche
wir  gegenwärtig  im  Glauben  festhalten.  Baco  weist  hierin  ganz
und  vollkommen  auf  seinen  von  ihm  so  hoch  verehrten  Lehrer

1  Intellectus  est  debilis;  propter  eam  debilitatera  magis  conformatur  rei
debili,  quae  est  universale,  quam  rei,  quae  multum  habet  de  esse,  ut
singulare.  Cominun.  Natur.  1,  Pars  2,  dist.  2,  c.  10.

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