Die Psychologie, Erkenntniss- und Wissenschaftslehre des Roger Baco. 533
Begriffes der Materie gelangen; Baco und Duns Scotus ermöglichen
sich die theilweise Annäherung an ihn durch die von
ihnen vorgenommenen Modificationen am peripatetischen Begriffe
der Materie, obschon Duns Scotus als Conceptualist das
von Baco fast ganz bei Seite gesetzte Moment der abstractiven
Allgemeinheit wieder zu höherer Geltung bringt, wenn er demselben
auch nicht mehr jenen speculativen Gehalt wie die
Thomistenschule zuzuerkennen vermag.
Für Baco hat der Allgemeiubegriff nur die Bedeutung
eines abgeblassten schwachen Wiederscheines des im Reflexstrahle
dem menschlichen Intellecte zugemittelten göttlichen
Gedankens eines bestimmten Dinges. 1 Schon die Zusammensetzung
des geschaffenen Dinges aus Materie und Form gleicht
einer trübenden Zersetzung des einfachen reinen Lichtes des
göttlichen Gedankens vom Dinge; demzufolge kann dieser durch
das geschaffene Ding dem menschlichen Intellecte nur unvollkommen
und in getrübtem Wiederscheine vermittelt werden.
Die dem diessseitigen menschlichen Erkennen erreichbare Klarheit
und Helle ergibt sich durch distincte Auseinanderhaltung
der constitutiven Elemente des besonderen Dinges und durch Erforschung
des Zusammenhanges seiner Existenz und Wirkungsweise
mit jener der übrigen Dinge ausser und neben ihm;
Baco verweist uns liiemit auf die analytische Zergliederung
und pragmatische Erforschung des in der sinnlich-irdischen
Erfahrung gegebenen Erkenntnissstoffes, ohne indess auf die
in der peripatetischen Metaphysik dargebotenen Elemente synthetischer
Verknüpfung förmlich verzichten zu wollen, wie sehr
er auch diese seinem Individualismus zu Liebe beschränkt.
Die wahrhafte vollkommene Verknüpfung der verschiedenen
Elemente und Beziehungen der in der sinnlichen Erfahrung
gegebenen Singularitäten liegt in den göttlichen Gedanken derselben,
und ist Gegenstand dereinstiger geistiger Anschauung
in einer zukünftigen vollendeten Welt und Wirklichkeit, welche
wir gegenwärtig im Glauben festhalten. Baco weist hierin ganz
und vollkommen auf seinen von ihm so hoch verehrten Lehrer
1 Intellectus est debilis; propter eam debilitatera magis conformatur rei
debili, quae est universale, quam rei, quae multum habet de esse, ut
singulare. Cominun. Natur. 1, Pars 2, dist. 2, c. 10.
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