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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 93. Band, (Jahrgang 1879)

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Werner.

Realität  sielit,  welche  das  mit  einer  blossen  Sinnenseele  begabte
Thier  nicht  zu  appercipiren  vermag-.  Aber  wie  appercipirt  der
Mensch  die  geistige  Realität?  Wir  hörten  schon  oben,  dass
Baco  die  Unterschiede  zwischen  Visio  recta,  fracta  und  reflexa
des  Sinnenauges  auch  auf  das  geistige  Erkennen  überträgt,
und  dem  Menschen  im  Unterschiede  von  Gott  und  den  Engeln
bloss  eine  Visio  reflexa  der  geistigen  Dinge  zuerkennt.  Die
durch  die  Visio  reflexa  vermittelte  Intellectiverkenntniss  ist  aber
keine  andere  als  die  durch  die  sinnliche  Erfahrung  vermittelte
Erkenntniss, 1  rücksichtlich  deren  nur  zu  fragen  wäre,  welche
Bedeutung  den  aus  der  sinnlichen  Erfahrung  geschöpften  Allgemeinbeg-riffen
  beizulegen  sei.  Denn  Baco  spricht  auch  den
Tliieren  die  Apperception  von  Allgemeinbegriffen  nicht  ab, 2
welchen  also  nur,  wie  wir  ergänzend  beizufügen  haben,  das
Bewusstsein  um  das  Innehaben  solcher  Allgemeinbegriffe  abgehen ­
  würde.  Hierauf  indess  reflectirte  Baco  nicht,  und  so
konnte  er  nur  bei  der  vorerwähnten  Frage  stehen  bleiben,
auf  die  er  uns  schon  die  Antwort  andeutet,  wenn  er  bemerkt,
dass  auch  beim  geistigen  Sehen  das  durch  die  sinnliche  Empirie ­
  ermittelte  Resultat  des  Sehens  ein  sehr  geringes  sei,  und
menschlicher  Unterricht  und  göttliche  Erleuchtung  nachhelfen
müsse,  um  die  auf  dem  Wege  der  Erfahrung  ungebahnte  Intellectiverkenntniss ­
  zu  dem  für  den  Zeitmenschen  erreichbaren
Vollkommenheitsgrade  zu  erheben. 3  Gehen  die  Modi  des  geistigen ­
  Sehens  jenen  des  physischen  Sehens  parallel,  so  muss

1  Sicut  speculum  cooperatur  ad  visionem  propter  suam  aptitudinem,  et  dat
speeiei  occasionem  multiplicandi  se  in  oculum,  nt  fiat  visio,  sic  corpns
animatura  anima  sensitiva  ex  sua  proprietate  et  idoneitate  adjuvat  animam
intellectivam  in  sua  cognitione,  et  dat  ei  cognitionem  a  pai'te  ista,  quam
intelleetus  ex  sensu  corporali  depreliendet,  et  ideo  coguitio  hominis,
quantacunque  sit  perfecta,  est  debilior  angelica  ex  hac  causa,  et  merito
potest  dici  specularis  propter  dictam  similitudinem.  Op.  c.,  p.  268.
2  Bestiae  multae  ....  cognoscunt  unimi  universale  ab  alio,  ut  hominem
a  cane  vel  ligno,  et  individua  ejusdem  speeiei  distinguunt.  Op.  c.,  p.  252.
3  Cum  triplex  est  visio,  seil,  solo  sensu,  scientia  et  syllogismo,  necesse  est
homini,  ut  triplieem  haheat  visionem.  Nam  solo  sensu  pauca  cognoscimus
et  parum  ....  Similiter  accidit  in  visione  spirituali;  nam  qnod  homo
seit  solo  sensu,  modicum  est,  quoniam  indiget  duplici  cognitione  praeter
istam,  seil,  per  doctores  a  juventute  usque  ad  senium  ....  et  tertia
cognitione  indigemus,  quae  est  per  divinam  illuminationem.  Op.  c.,  p.  268.
            
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