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Werner.
zenem Glase, und heisst desshalb Humor vitreus. Der vordere
Theil, dem Eise, Krystalle oder Hagelkorne an Farbe gleichend,
heisst Anterior glacialis, ohne besonderen Eigennamen. Ausserhalb
der Spinnwebhaut erfüllt eine dem Albumen ovi ähnliche
Flüssigkeit die vordere Concavhöhlung der'Uvea, und berührt
nach der einen Seite die Anterior glacialis, nach der anderen
Seite in convexer Rundung die durchsichtige Cornea; diese
Flüssigkeit heisst Humor albugineus. Das Auge hat sonach,
wie drei Hüllen, so auch drei Humores, und die Bilder der
Aussendinge werden durch diese drei Medien zur Endigung
des Sehnervs, durch diesen aber dem Gehirne zugeleitet. Der
Humor albugineus und Anterior glacialis sind heute als Ein
Körper erkannt, welcher die Glasfeuchtigkeit heisst; 1 die von
Baco’s Gewährsmännern vorgenommene Dreitheilung der Humores
ist wohl aus den Bestreben einer harmonisirenden Gleichordnung
der Dreizahl der Humores und der Hüllen des Auges
zu erklären. 2 Der Humor crystallinus heisst Pupille, in welcher
die Virtus visiva zwar nicht grundhaft, aber doch initialiter
enthalten ist; das Organum radicale ist der Nervus communis,
d. h. der schon erwähnte Knotenpunkt der beiden vom Vordergehirne
ausgehenden Sehnerven.
Das Auge ist gemäss seiner Bestimmung, das Weltbild
in sich aufzunehmen, 3 ein sphärisch geformter Körper, dessen
Gestaltung auch die Hüllen und Humores des Auges sich conformiren.
Der Humor vitreus und der Glacialis anterior sind
1 Der zwischen die Iris und die Cornea gefasste Humor aqueus wird in
der von Baco gegebenen Beschreibung des Auges nicht als besonderer
Humor erwähnt, sondern als der die Cornea berührende Theil des Humor
albugineus genommen. Vgl. die mit der Beschreibung Baco’s grösstentheils
zusammenstimmende Abbildung des Auges nach Alhazen in den
historischen Tafeln zur Anatomie des Auges von Dr. Hugo Magnus
(Rostock, 1877), Tafel IV.
2 Der Humor vitreus wird nach Avicenna durch das Blut ernährt, der
Humor crystallinus durch den Humor vitreus, der Humor albugineus ist
ein Uebersehuss des Humor crystallinus. Op. maj., p. 199.
3 Cum oculus videt magna Corpora ut fere quartam coeli uno aspectu,
manifestum est, quod non potest esse planae figurae, nec alieujus nisi
spliaericae, quoniam super sphaeram parvam possunt cadere perpendiculares
infinitae, quae a magno corpore veniunt et tendunt in centrum
sphaerae, et sic magnum corpus potest ab oeulo parvo videri. Op. maj.,
p. 206.