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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 93. Band, (Jahrgang 1879)

t)ie  Psychologie,  Erkenntniss-  und  Wissenscliaftslehre  des  Roger  Baco.

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da  er  von  der  für  beide  Sprachen  vorauszusetzenden  Ursprache
noch  keine  Ahnung  hat;  er  missbilliget  daher  z.  B.  nicht  die
Ableitung  des  lateinischen  Deus  vom  griechischen  0s6?,  sondern
nur  die  verfehlte  Erklärung  der  ursprünglichen  Bedeutung  des
griechischen  Wortes, 1  welcher  er  die  bessere  durch  Johannes
Damascenus 2  überlieferte  zur  Seite  stellt.
Der  Mangel  an  gründlicher  philologischer  Bildung  übt,
wie  Baco  des  Weitern  nachzuweisen  sich  bemüht,  auch  eine
nachtheilige  Rückwirkung  auf  das  Verständniss  der  Bibel.  Abgesehen ­
  davon,  dass  die  lateinische  Bibelübersetzung  manche
hebräische  Worte  enthält,  deren  einige  selbst  in  die  liturgischen
Formeln  der  Kirche  übergegangen  sind,  und  natürlich  nur  von
den  des  Hebräischen  Kundigen  nach  ihrer  etymologischen  Bedeutung ­
  verstanden  werden  können,  abgesehen  ferner  davon,
dass,  wo  der  Text  der  lateinischen  Uebersetzung  an  Corruptionen
  leidet,  auf  den  Urtext  zurückgegangen  werden  muss,  um
die  richtige  Emendation  corrupter  Stellen  zu  ermitteln,  kommen
in  der  lateinischen  Bibelübersetzung  Benennungen  sachlicher
Objecte  vor,  deren  richtiger  Sinn  nur  ermittelt  werden  kann,
wenn  man  Sinn  und  Bedeutung  des  entsprechenden  hebräischen
Ausdruckes  kennt.  So  verhält  es  sich  insbesondere  mit  den
biblischen  Pflanzen-  und  Thiernamen.  Es  werden  z.  B.  unter  den
unreinen  Thieren  aufgezählt:  Chirogryllus,  Nycticorax,  Pellicanus,
  Porphyrio,  Onocrotalus.  Bei  dem  Worte  Chirogryllus 3
bemängelt  Baco,  dass  dem  des  Griechischen  unkundigen  Vulgus
theologorum  sowohl  die  richtige  Schreibung  des  Wortes,  als
auch  der  damit  zu  verbindende  Realbegriff  unbekannt  sei.  Das
dem  Griechischen  entlehnte  Wort  bestehe  aus  fünf  Sylben  und
beginne  nicht  mit  c  (man  schrieb  cirogryllus),  sondern  mit  ch;
bei  den  Griechen  bedeute  aber  dieses  Wort  das  Kaninchen,

'  Brito  errat  in  principali  expositione  vocäbiüi  .Theos,  cum  dicat  ilhid
significare  metum;  et  sic  (licit  Hugutio  et  Papias,  et  quod  doleo,  Isidorus
libro  septimo  (Etym.  VII,  1).  1.  c.
2  .Toann.  Damasc.  De  S.  Trin.  I,  5.
3  XoipoypuW.toc,  die  aus  LXX  in  die  Vulgata  herübergenommene  Uebersetzung
  des  hebräischen  |B1S  in  3  Mos.  11,  5;  5  Mos.  30,  26.  In  Psalm
103,  18  übersetzt  die  Vulgata  dasselbe  Wort  durch  Erinaceus,  in  Spriehw.
30,  26  durch  Lepus.  Heute  wird  das  hebräische  gemeinhin  auf  den
Hyrax  Syriacus,  Klippdachs,  bezogen.
Sitzungs'ber.  d.  phil.-hist.  CI.  XCIII.  Bd.  III.  Hft.

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