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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 93. Band, (Jahrgang 1879)

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Werner.

nur  einen  einzigen  wahrhaft  tüchtigen  sachkundigen  Gelehrten,
den  Robert  von  Lincoln.  1
Baco  macht  zur  Erhärtung  des  Urtheiles,  welches  er  auch
noch  über  die  letzten  Uebersetzungsarbeiten  des  Vlamländers
Wilhelm  aussprechen  zu  müssen  glaubte,  den  Umstand  geltend,
dass  es  für  die  Lateiner  ungemein  schwierig  sei,  von  Arabern,
Juden  und  Griechen  als  Feinden  der  Christen  oder  des  lateinischen ­
  Kirchenthums  correcte  und  unverfälschte  Texte  zu  erhalten; ­
  und  wer  zudem  auch  wegen  Mangel  an  sprachlichen
Kenntnissen  von  ihnen  abhängig  sei,  sei  überdiess  noch  der
Gefahr  ausgesetzt,  in  der  Interpretation  correcter  Texte  durch
falsche  Erklärungen  getäuscht  zu  werden.  Hier  fällt  Baco
sichtlich  wieder  in  den  Ton  der  Uebertreibung.  Man  sieht
nicht  ein,  welches  Interesse  die  Griechen  haben  konnten,
Wilhelm  durch  gefälschte  Texte  oder  unrichtige  Interpretationen ­
  des  Aristoteles  zu  täuschen;  auch  lässt  sich  an  dem
einen  oder  anderem  von  Baco  angeführten  Beispiele  von  Textcorruption
  oder  ungeschickter  Uebersetzung  zeigen,  dass  er
eine  Textcorruption  irrig  voraussetzt,  oder  dem  Uebersetzer
unbilligen  Tadel  widerfahren  lässt. 2  Richtig  ist,  dass,  so
lange  nur  arabische  Texte  benützt  werden  konnten,  die  lateini-1

  Solus  Boethius  primus  interpres  novit  plenarie  potestatem  linguarum.  Et
solus  dominus  Kobertus  novit  scientias.  Op.  maj.,  p.  34.  —  Aehnlich  Comp,
stud.  phil.,  c.  8.
2  Baco  glaubt  (Op.  tert.,  c.  8),  die  Aeusserung  des  Aristoteles  in  Meteor,
lib.  III  (p.  372.  a,  lin.  26),  dass  eine  Iris  in  den  Mondstrahlen  nur  etwa
zweimal  in  fünfzig  Jahren  erscheinen  möge,  aus  einer  Entstellung  durch
Textcorruption  erklären  zu  müssen;  und  doch  steht  diese  Aeusserung  auch
in  dem  heutigen,  durch  genaueste  Prüfung  der  Textüberlieferung  festgestellten ­
  Texte.  In  der  aristotelischen  Schrift  de  Plantis  lib.  II  (p.  821.  a,
lin.  32  ff.)  ist  vom  ßeXs'vtov  die  Eede.  Die  in  Spanien  aus  einem  arabischen
Texte  angefertigte  Uebersetzung  setzte  für  das  angeführte  griechische
Wort  das  Wort  belenum  (spanisch:  beleno).  Baco  (1.  c.)  bemerkt  dazu:
Belenus  est  hispanicum,  et  nullus  Parisius  aut  in  Anglia  potest  per
illam  translationem  sehe,  quid  est  belenum;  cum  tarnen  diligenter  quaesivi,
  inveni,  quod  est  jusquiamus  (französ.  jusquiame  =  hyoscyamos)  seu
semen  cassilaginis.  In  Op.  maj.,  p.  34,  woselbst  er  dieselbe  Bemängelung
beibringt,  fügt  er  weiter  noch  bei:  Quae  sicut  multa  alia  prius  ab  Ilispanis
seholaribus  derisus,  cum  non  intelligebam,  quod  legebam,  ipsis  vocabula
linguae  maternae  scientibus,  tandem  didici  ab  eisdem.
            
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