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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 93. Band, (Jahrgang 1879)

Die  Psychologie,  Erhenntiiiss-  und  Wissenscliuftsiolirc  des  Roger  Baco,  509

Der  Grund  der  Abneigung  war  der  Widerstand,  welchen  das
Heidenthum  eben  mit  seiner  natürlichen  Vernunft-  und  Weltweisheit ­
  dem  neuerstandenen  Christenthum  allenthalben  entgegenstellte. ­
  So  kam  es,  dass  die  Kirche  von  der  Welt-  und
Naturkunde  einzig  nur  für  unumgänglich  nothwendige  praktischkirchliche ­
  Zwecke  Gebrauch  machte;  die  Regelung  des  Kirchenkalenders ­
  machte  die  Pflege  astronomischer  Studien  nothwendig,
zur  Regelung  und  Ausbildung  des  Kirchengesanges  bedurfte
man  der  Musikkunde.
Obschon  Baco  unverhohlen  zu  verstehen  gibt,  dass  die  altchristlichen ­
  Lehrer  die  Philosophie  nur  von  ihrer  mindest  wesentlichen ­
  Seite  gekannt  hätten  und  in  ihren  eigentlichen  Geistgehalt
gar  nicht  eingedrungen  wären,  so  •  will  er  doch  nicht,  dass  man
ihn  des  Mangels  schuldiger  Verehrung  gegen  sie,  oder  ungebührlicher ­
  Unterschätzung  ihrer  preiswürdigen  Leistungen
zeihe. 1  Er  gibt  ihnen  vielmehr  das  Zeugniss,  dass  sie  von
dem,  was  sie  aus  der  Philosophie  sich  aneigneten,  den  trefflichsten ­
  Gebrauch  machten,  und  dass  sie,  wenn  sie  heute  lebten,
die  seither  erschlossene  Kenntniss  der  aristotelischen  Philosophie
ganz  anders  zu  fördern  und  zu  verwerthen  bestrebt  sein  würden,
als  das  gegenwärtige  Geschlecht.  Es  war  providentielle  göttliche ­
  Fügung,  dass  sie  die  Scientias  majores  der  Philosophie
nicht  kannten;  denn  die  Ueberzeugung  von  der  heiligen  Wahrheit ­
  des  Christenthums  sollte  sich  nicht  durch  die  Mittel  menschlicher ­
  Einsicht  und  Wissenschaft,  sondern  durch  die  Macht
des  Glaubens  begründen.  Die  vom  ungläubigen  Heidenthum
im  Bunde  mit  der  Philosophie  gegen  das  Christenthum  aufgebotene ­
  Macht  magischer  Künste  sollte  durch  göttliche  Wunderspineta

  concludere.  Hi  ergo,  qui  in  eo  totas  dies  et  noetes  terunt,  ut  vel
interrogent  vel  respondeant,  vel  dent  propositionem,  vel  acoipiant,  assumant,
  confirment  atque  concludant,  quosdara  contentiosos  vocant,  qui  ut
libet  non  ratione  sed  stomacho  disputent  litigantium.  Si  igitur  illi  hoc
faciunt,  quid  debet  facere  christianus,  nisi  omiiium  fugere  contentionem?
1  Si  saneti  liabuissent  usum  scientiarum  philosophiae  magnarum,  nunquam
cineres  philosophicos  in  tantüm  extulissent  et  ad  sacros  usus  convertissent;
quanto  enim  saneti  meliores  sunt  et  majores,  tanto  ad  sacros  usus  aptiores.
Sed  quia  ad  manus  eorum  non  devenerunt  libri  nisi  grammatici,  logici,
rhetorici  et  de  communibus  philosophiae,  ideo  bis  se  juverunt  secundum
gratiam  eis  datam;  et  quiequid  poterant  de  bis  laudabiliter  extrahere
converterunt  copiosius  ad  laudem  Dei.  Op.  maj.,  p.  15.
            
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