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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 93. Band, (Jahrgang 1879)

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Werner.

gekannt,  so  hätten  sie  auch  ersehen  müssen,  um  wie  viel  Aristoteles ­
  den  Plato  überrage, 1  und  würden  nicht  um  des  Wenigen
willen,  was  aus  Plato  zu  gewinnen  war,  den  unermesslichen
Reichthum  der  geistigen  Schätze,  welche  die  aristotelischen
Schriften  in  sich  bergen,  hei  Seite  haben  liegen  lassen.  Baco
hält  die  pseudoaugustinische  Schrift  de  Categoriis  für  eine  Arbeit
Augustins  und  fragt,  wie  Augustinus,  der  schon  dieser  kleinen
Schrift  des  Aristoteles  so  hohes  Lob  zollte,  über  denselben
hätte  urtheilen  müssen,  wenn  er  seine  Leistungen  in  dem  Umfange, ­
  wie  die  gegenwärtige  Zeit  sie  überschaut,  kennen  gelernt ­
  hätte!  Indess  beschränkten  sich  die  altchristlichen  Lehrer
mit  einer  gewissen  Absichtlichkeit  auf  die  das  Denken  und  die
Sprache  bildenden  Seiten  des  philosophischen  Studiums, 2  und
liessen  die  eigentliche  Realphilosophie  bei  Seite  liegen,  oder
mahnten  direct  von  der  Pflege  derselben  ab,  wie  Ambrosius 3
und  Hieronymus  1  an  gewissen  Stellen  ihrer  Schriftcommentare.

sicut  Augustinus  dicit  in  libro  de  civitate  Dei  (VIII,  12)  ipsum  adliue
magistro  suo  Platone  vivente  multos  in  haeresin  suam  eongregasse.  Op.
maj.,  p.  14.
1  Omnium  philosophantium  testimonio  Plato  nullam  comparationem  respectu
Aristotelis  noscitur  habuisse.  1.  c.
2  Sancti  grammaticalia,  logica  et  rhetoriea  et  communia  mctaphysicae
multum  efferunt  et  abundanter  in  sacris  utuntur  ....  sed  de  aliis  parum
et  raro  loquuntur,  imo  multum  negligunt  et  negligi  doeent  aliquando.  1.  c.
3  Baco  verweist  auf  einen  der  fälschlich  dem  Ambrosius  zugeschriebenen
Commentare  über  die  Paulinischen  Briefe,  und  hat  hier  die  Glosse  des
Pseudo-Ambrosius  zu  Kol.  1,  3  im  Auge:  Omnem  incredulum  latet,  in
Christo  esse  omnem  sapientiam  et  scientiam,  quia  non  legunt  in  Evangeliis
  astrologiam,  non  in  Apostolo  geometriam,  non  in  Prophetis  arithmeticam
  nec  musicam;  quae  idcirco  despecta  sunt  a  nostris,  quia  ad  salutem
non  pertinent,  sed  magis  mittunt  in  errorem  et  avocant  a  Deo,  ut  dum
his  Student  ratiocinationum  disputationibus,  animae  suae  curam  non  agant,
Quae  enim  tarn  vera  sapientia,  quam  cognovisse  quod  prosit,  et  despexisse
quod  obsit?
4  In  dem  von  Baco  citirten  Commentar  des  Hieronymus  zum  Paulinischen
Briefe  an  Titus  finden  sich  ein  paar  Stellen,  die  sich  hieher  beziehen
lassen.  Baco,  welcher  Divination  und  Magie  hoch  hielt,  konnte  sich  durch
die  Bemerkungen  des  Hieronymus  zu  Tit.  1,  12  über  Epimenides  und  den
ihm  zugeschriebenen  Liber  oraculorum  nicht  wohl  angemuthet  fühlen.  Die
Glosse  des  Hieronymus  zu  Tit.  3,  9  betrifft  den  Aristoteles  als  Dialektiker: ­
  Dialectici,  quorum  princeps  Aristoteles  est,  solent  argumentationum
  retia  tendere,  et  vagam  rhetoricae  libertatem  in  syllogismorum
            
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