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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 93. Band, (Jahrgang 1879)

Die  Psychologie,  Erkenntniss-  untl  Wissenscliaftslelire  des  liogcr  Baco.  501
einzig-  nach  Anleitung  ihrer  nunmehrigen  Lehrmeister.  Die
schöne  Zeit,  in  welcher  ein  Robert  von  Lincoln,  Thomas  von
St.  David,  Adam  de  Marisco  und  Robert  de  Marisco,  ein  Wilhelmus
  Lupus  und  Willielmus  Shyrwood  lehrten,  sei  dahin,  und
seither  sei  kaum  mehr  irgend  eine  theologische  Leistung  aus
den  Kreisen  der  Säculargeistlichkeit  zu  Tage  getreten.
Der  von  Baco  so  hoch  gepriesene  Bischof  Robert  von
Lincoln  (Robert  Capito,  Grosshead,  Grosse-Teste,  Grossetete)
war  gleich  Adam  de  Marisco  einer  der  Lehrer  Baco’s  an  der
Oxforder  Schule  gewesen;  1  Beide  waren  durch  sprachliche  und
mathematische  Kenntnisse  ausgezeichnet,  und  hatten  dazu  beigetragen, ­
  dem  Geiste  Baco’s  die  von  ihm  zeitlebens  verfolgte
Richtung  zu  ertheilen.  Adam,  der  bereits  bejahrt  in  den  Franciscanerorden
  eintrat,  und  durch  sein  Beispiel  vielleicht  auf
den  gleichen  Schritt  seines  Schülers  Einfluss  hatte,  ist  auch  Verfasser ­
  eines  Commentars  zu  den  pseudo-dionysischen  Schriften,
deren  Einfluss  auf  Baco  in  seinen  oben  beigebrachten  Aeusserungen
  über  den  specifischen  Modus  des  englischen  und  menschlichen ­
  Erkennens,  so  wie  über  den  Einfluss  der  göttlichen  Erleuchtung ­
  auf  das  menschliche  Erkennen  unschwer  zu  erkennen
ist.  Wilhelm  von  Shyreswood,  welcher  in  Oxford  studirt  hatte,
wirkte  als  Lehrer  in  Paris,  und  starb  als  Kanzler  der  Kirche
in  Lincoln.  Ob  und  wo  Baco  zu  ihm  in  nähere  Beziehungen
trat,  lässt  sich  aus  Baco’s  Aeusserungen  nicht  ermitteln;  im
Opus  tertium  wird  er  noch  als  lebend  vorausgesetzt, 2  und  mit
ita  quod  totalster  dimiserunt  vias  antiquorum  sapientum.  Comp.  stud.
theol.,  5.  —  Unter  dem  Terminus  a  quo  der  erwähnten  vierzig  Jahre
versteht  Baco  augenscheinlich  jene  Zeit,  zu  welcher  die  Mendieanten  in
den  Besitz  von  Lehrstühlen  der  Theologie  an  der  Pariser  Universität
gelangten.  Vgl.  meine  Schrift  über  Thomas  v.  Aquino  I,  S.  106.
1  Baco  stellt  diese  seine  beiden  Lehrer  den  berühmtesten  Weisen  aller
Zeiten  zur  Seite:  Pauei  sapientissimi  fuerunt  in  perfectione  philosophiae,
ut  primi  compositores  et  Salomon  et  deinde  Aristoteles  pro  tempore  suo;
et  postea  Avicenna  et  in  diebus  nostris  dominus  Robertus  episcopus  nuper
Lincolnensis  et  frater  Adam  de  Marisco,  quia  lii  fuerunt  perfecti  in  omni
sapientia  et  nunquam  fuerunt  plures  perfecti  in  philosophia.  Op.  tert.,
c.  22.
2  Dai'aus  erhellt,  dass  a.  1249  nicht,  wie  es  herkömmlich  geschieht  und  bei
Prantl  Gesell,  d.  Logik  III,  S.  10,  Anm.  29  reproducirt  wird,  Wilhelms
Todesjahr  sein  könne.  Scribat  sapientia  vestra  —  schreibt  Baco  Op.
tert.  e.  2  an  Papst  Clemens  IV.  —  eis  (d.  i.  den  unmittelbar  voraus-
            
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