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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 93. Band, (Jahrgang 1879)

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Werner.

wesentlich  ein  Sehen,  und  dieses  geistige  Sehen  nach.Analogie
des  sinnlichen  Sehens  zu  verstehen.  Wie  wir  nun  das  sinnliche
Sehen  mit  Rücksicht  auf  seine  Helligkeitsgrade  dreifach  abstufen, ­
  je  nachdem  der  Sehstrahl  geradlinig,  gebrochen  oder
reflectirt  in’s  Auge  gelangt,  so  haben  wir  auch  ein  dreifaches
geistiges’Sehen  im  geradlinigen,  gebeugten  und  reflectirten  Lichte
zu  unterscheiden.  Das  erste  vollkommenste  Sehen  kommt  specifisch
  Gott,  das  zweite  minder  vollkommene  den  Engelgeistern,
das  letzte  specifisch  dem  Menschen  zu,  womit  aber  nicht  ausgeschlossen ­
  ist,  dass,  wie  der  Engelgeist  in  seiner  Weise  auch
an  der  specifischen  Art  des  göttlichen  Sehens,  so  der  Mensch
an  jener  des  göttlichen  Sehens  sowohl  als  auch  des  englischen
participirt.  Wir  wissen  aber  bereits,  in  welcher  Weise  diese
beiden  anderen  Arten  des  Sehens  dem  Menschen  zukommen;
das  ihm  mit  den  Engeln  gemeinsame  Sehen  oder  das  metaphysische ­
  Erkennen  hat  er  nur  zufolge  seines  geistigen  Antheiles
  an  der  auf  göttlicher  Offenbarung  beruhenden  traditionellen ­
  Erbweisheit  des  menschlichen  Geschlechtes,  die  iu
den  überlieferten  Lehren  der  Theologie  und  Philosophie  hinterlegt ­
  und  unter  die  Obhut  der  Kirche  gestellt  ist.  Das  dem
Menschen  unmittelbar  mit  Gott  gemeinsame  Erkennen  setzt
sich  eigentlich  in  einen  unmittelbar  durch  Gott  in  der  menschlichen ­
  Seele  gewirkten  Erkenntnissact  um,  der  nur  insofern  ein
Act  des  Menschen  genannt  werden  kann,  als  ihn  die  menschliche ­
  Seele  in  sich  recipirt.  Das  menschliche  Selbstdenken
beschränkt  sich,  wie  schon  bemerkt,  auf  kritische  Analyse  des
dem  Menschen  von  Aussen  suppeditirten  Erkenntnissstoffes;
von  einer  Umsetzung  desselben  in  die  dem  Wesen  der  denkenden ­
  Seele  entsprechende  Form  und  Gestaltung  kann  bei
Baco  zufolge  seines  grundsätzlichen  Empirismus  keine  Rede
sein.  Die  Idealform  des  Objectes  wird  in  Gott  geschaut,  braucht
sonach  nicht  durch  den  menschlichen  Intellect  producirt  zu
werden,  der  sich  einzig  auf  Subsumtion  des  kritisch  analysirten
Erfahrungswissens  unter  die  im  Lichte  der  göttlichen  Wahrheit
geschauten  Ideen  der  Dinge  zu  beschränken,  oder  vielmehr
sich  zur  rechten  Empfänglichkeit  für  die  zur  Vergeistigung  und
Ergänzung  des  an  sich  durchaus  unzureichenden  menschlichen
Erfahrungswissens  nothwendigen  Gnaden  und  Erleuchtungen
zu  disponiren  hat.  Diese  Gnaden  und  Erleuchtungen  begründen
            
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