490 Werner.
die Uebersetzung sicher unrichtig oder doch ungenau, obschon
bei näherem Zusehen diese Ungenauigkeit nicht so gross erscheint,
dass die wahre Meinung des Aristoteles völlig unkenntlich
gemacht wäre. Denn offenbar ist in der bezüglichen Stelle
— fährt Baco weiter — nicht vom Wesen der Seele, sondern
von ihrer Thätigkeit die Bede; von dieser heisst es, dass sie
so vor sich gehe, wie wenn der Künstler einen Stoff gestaltet
oder die Sonne die Farben der Objecte sichtbar macht. Da
nun der Künstler gewiss von dem zu bearbeitenden Stoffe, und
die Sonne von den zu beleuchtenden Objecten dem Sein und
der Substanz nach verschieden ist, so muss auch der Intellectus
agens, der die im Intellectus possibilis vorhandenen sinnlichen
Vorstellungen in Intellectivgedanken umsetzt, vom Intellectus
possibilis oder von der Seele, welche als Recipientin und
Bewahrerin der in Intellectivgedanken umzubildenden sinnlichen
Species Intellectus possibilis ist, von diesem dem Sein
und Wesen nach verschieden, ein ausser und über demselben
Seiendes sein. Diess ergibt sich auch aus dem weiteren Verlaufe
des Contextes, indem der Intellectus agens als ein vom
Intellectus possibilis nach Sein und Wesen getrennter bezeichnet
wird, der immer actu ist, was von keiner Creatur, sondern
einzig von Gott gilt.
Für zwingend kann man diese Beweisführung Baco’s nicht
erachten. Wenn er sich für die Erhärtung des Satzes, dass
die Causa efficiens von dem Gegenstände, welcher ihr als
Stoff ihrer Bethätigung dient, stets substanziell verschieden sei,
auf das Anfangscapitel des zweiten Buches der Physik des
Aristoteles beruft, so muss -wohl bemerkt werden, dass daselbst
zwischen äusseren und zwischen inneren dem gestalteten und
belebten Stoffe immanenten Wirkungsprincipien unterschieden
werde; und die Frage ist dann, ob Aristoteles auch den Intellectus
agens zu den äusseren auf den Intellectus possibilis
wirkenden Agentien rechne, oder ob er jene Leuchtthätigkeit
Worte des griechischen Textes, De anima III, p. 430 a, lin. 10 ff., lauten:
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xä; Statpopd;. Man ersieht hieraus, dass die lateinische Uebersetzung den
Text zwar verkürzt, jedoch dem Sinne nach richtig wiedergibt.