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Werner.
Bischofes Wilhelm von Auvergne berufen, 1 welchen Baco zweimal
in einer feierlichen Versammlung der Pariser Doctoren
die Annahme eines der menschlichen Seele eignenden Intellectus
agens siegreich bestreiten hörte. 2 Als Vertreter des psychischen
Sensismus haben wir Baco zu bezeichnen, weil er alle cognoscitiven
Thätigkeiten der menschlichen Seele als Apperceptionen
des in der sinnlichen oder übersinnlichen Wirklichkeit Gegebenen
fasst. Durch die cognoscitiven Thätigkeiten der Anima
sensitiva appercipiren wir die sichtbaren Erscheinungen der
sinnlichen Wirklichkeit, durch die cognoscitive Thätigkeit der
intellectiven Seele die unsinnliche, unsichtbare Wirklichkeit,
die uns im Lichte der ewigen Wahrheit gezeigt wird. Daher
leitet Baco alle Philosophie aus Offenbarung und Erleuchtung
ab; ehe es Philosophen unter den Heidenvölkern gab, hat Gott
alle Weisheit der Philosophie bereits den Patriarchen und Propheten
geoffenbart, 3 und von diesen haben sie die heidnischen
Philosophen überkommen, wie Aristoteles, der grösste unter
ihnen, in seinem Liber Secretorum ausdrücklich bekenne. 4 Aber
nicht bloss auf dem Wege der Ueberlieferung, sondern auch
durch besondere Erleuchtungen sind dieselben zur Erkenntniss
der philosophischen Weisheit gelangt; solche Erleuchtungen
sind ihnen vielleicht noch mehr wegen uns Christen, als um
ihrer selbst willen zu Theil geworden.
Demzufolge muss wohl auch die richtig verstandene Lehre
des Aristoteles vom Intellectus agens auf göttliche Erleuchtung
zurückgeführt werden. Die richtig verstandene Lehre des Aristoteles
aber, die zugleich auch vollkommen wahr ist, ist diese,
dass man zwar zwischen Intellectus possibilis und Intellectus
1 Op. tert., c. 23.
2 Vgl. unsere Abhandlung über die Psychologie des Wilhelm von Auvergne.
Sitzungsber. LXXIII. Bd., S. 305 (Separatabdr. S. 49).
3 Op. tert., c. 24.
4 Im Opus maj. (p. 29) lässt Baco den Avicenna die alttestamentliche Bibel
citiren und bemerkt gemeinhin: Omnes philosophi fuerunt post patriarchas
et prophetas, et legerunt libros prophetarum et patriareharum qui sunt
in sacro textu, et similiter alios libros, quos fecerunt tangentes Christi
mysteria ut in libro Enocli et in Testamento Patriareharum, in libro
Esdrae 3, 4, 5, et in multis aliis libris Philosophi curiosi et
diligentes in Studio sapientiae peragrarunt regiones diversas ut sapientiam
inquirerent et libros Sanctorum perlegerunt et didicerunt ab Hebraeis.