Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 93. Band, (Jahrgang 1879)

488

Werner.

Bischofes  Wilhelm  von  Auvergne  berufen, 1  welchen  Baco  zweimal ­
  in  einer  feierlichen  Versammlung  der  Pariser  Doctoren
die  Annahme  eines  der  menschlichen  Seele  eignenden  Intellectus
agens  siegreich  bestreiten  hörte. 2  Als  Vertreter  des  psychischen
Sensismus  haben  wir  Baco  zu  bezeichnen,  weil  er  alle  cognoscitiven
  Thätigkeiten  der  menschlichen  Seele  als  Apperceptionen
des  in  der  sinnlichen  oder  übersinnlichen  Wirklichkeit  Gegebenen ­
  fasst.  Durch  die  cognoscitiven  Thätigkeiten  der  Anima
sensitiva  appercipiren  wir  die  sichtbaren  Erscheinungen  der
sinnlichen  Wirklichkeit,  durch  die  cognoscitive  Thätigkeit  der
intellectiven  Seele  die  unsinnliche,  unsichtbare  Wirklichkeit,
die  uns  im  Lichte  der  ewigen  Wahrheit  gezeigt  wird.  Daher
leitet  Baco  alle  Philosophie  aus  Offenbarung  und  Erleuchtung
ab;  ehe  es  Philosophen  unter  den  Heidenvölkern  gab,  hat  Gott
alle  Weisheit  der  Philosophie  bereits  den  Patriarchen  und  Propheten ­
  geoffenbart, 3  und  von  diesen  haben  sie  die  heidnischen
Philosophen  überkommen,  wie  Aristoteles,  der  grösste  unter
ihnen,  in  seinem  Liber  Secretorum  ausdrücklich  bekenne. 4  Aber
nicht  bloss  auf  dem  Wege  der  Ueberlieferung,  sondern  auch
durch  besondere  Erleuchtungen  sind  dieselben  zur  Erkenntniss
der  philosophischen  Weisheit  gelangt;  solche  Erleuchtungen
sind  ihnen  vielleicht  noch  mehr  wegen  uns  Christen,  als  um
ihrer  selbst  willen  zu  Theil  geworden.
Demzufolge  muss  wohl  auch  die  richtig  verstandene  Lehre
des  Aristoteles  vom  Intellectus  agens  auf  göttliche  Erleuchtung
zurückgeführt  werden.  Die  richtig  verstandene  Lehre  des  Aristoteles ­
  aber,  die  zugleich  auch  vollkommen  wahr  ist,  ist  diese,
dass  man  zwar  zwischen  Intellectus  possibilis  und  Intellectus

1  Op.  tert.,  c.  23.
2  Vgl.  unsere  Abhandlung  über  die  Psychologie  des  Wilhelm  von  Auvergne.
Sitzungsber.  LXXIII.  Bd.,  S.  305  (Separatabdr.  S.  49).
3  Op.  tert.,  c.  24.
4  Im  Opus  maj.  (p.  29)  lässt  Baco  den  Avicenna  die  alttestamentliche  Bibel
citiren  und  bemerkt  gemeinhin:  Omnes  philosophi  fuerunt  post  patriarchas
et  prophetas,  et  legerunt  libros  prophetarum  et  patriareharum  qui  sunt
in  sacro  textu,  et  similiter  alios  libros,  quos  fecerunt  tangentes  Christi
mysteria  ut  in  libro  Enocli  et  in  Testamento  Patriareharum,  in  libro
Esdrae  3,  4,  5,  et  in  multis  aliis  libris  Philosophi  curiosi  et
diligentes  in  Studio  sapientiae  peragrarunt  regiones  diversas  ut  sapientiam
inquirerent  et  libros  Sanctorum  perlegerunt  et  didicerunt  ab  Hebraeis.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.