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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 93. Band, (Jahrgang 1879)

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Werner.

corruptione 1  und  de  anima 2  unterlassen  habe.  Wenn  er  schon
durch  seine  Bemerkung-,  es  lasse  sich  die  Herbeiziehung  der
Vorstellung  vom  Vacuutn  zu  einem  Argumente  gegen  die  Vertheidiger
  des  Vacuum  formen,  seine  Ansicht  deutlich  zu  erkennen ­
  gebe,  so  hat  er  doch  nirgends  gezeigt,  dass  die  richtige
Erklärung  des  Nutritionsprocesses  die  Annahme  eines  Vacuum
geradezu  ausschliesse;  daher  komme  es,  dass  unter  den  Lateinern, ­
  d.  h.  unter  den  zeitgenössischen  Commentatoren  des
Aristoteles,  die  verschiedensten  und  widersprechendsten  Ansichten ­
  zu  Tage  treten.  Aristoteles  sagte:  Wenn  das  Aliment,
weil  es  als  Körper  nicht  in  die  festen  Theile  des  zu  nährenden
Körpers  eindringen  könne,  in  den  leeren  Poren  sich  in  Fleisch,
Knochen,  Nerven  u.  s.  w.  soll  verwandeln  müssen,  dann  sei
es  nicht  Nahrung  und  Mehrung  der  genannten  Theile  des
nahrungsbedürftigen  Körpers,  sondern  Erzeugung  von  Fleisch,
Knochen,  Nerven  ausser  den  schon  vorhandenen  bezüglichen
festen  Körpertheilen,  während  doch  diese  die  Nahrung  und
Mehrung  in  sich  selber  als  Ersatz  für  das  Abgegebene  und
Verlorene  aufnehmen  sollen.  Dieser  Bemängelung  glaubten
Einige  unter  Anschluss  an  eine  übel  verstandene  Aeusserung
des  Avicenna  aus  dem  Wege  zu  gehen,  wenn  sie  den  leeren
Poren,  in  welche  nach  Aristoteles  die  Nahrung  nicht  aufgenommen ­
  werden  kann,  mit  einer  subtilen  Flüssigkeit  gefüllte
Poren  substituirten,  in  welchen  sich  die  Wandlung  des  Alimentes
in  Fleisch,  Knochen,  Nerven  u.  s.  w.  vollziehe.  Aber  diesen
gegenüber  bleibt  die  aristotelische  Forderung  einer  Nutrition  und
Mehrung  der  lebendigen  Substanz  von  Innen  heraus  bestehen;
nur  die  Mineralien  können  sich  durch  Anbildung  von  Aussen
vergrössern.  Andere  sagen,  das  Aliment  werde  durch  seine  Verarbeitung ­
  entstofft  und  dringe  als  unkörperliches  Nahrungselement
in  die  zu  ernährenden  und  zu  augmentirenden  festen  Körpertheile
  ein.  Aristoteles  weist  indess  eine  derartige  Umwandlung
des  Nahrungsstoffes  entschieden  ab,  wie  schwierig  es  auch  sein
mag,  den  wahren  Sinn  des  an  der  betreffenden  Stelle  augenscheinlich ­
  corrupten  Textes  zu  ermitteln.  Die  Nutrition  involvirt
  als  Ersatz  und  Mehrung  des  verbrauchten  Körperstoffes

1  Siehe  Arist.  Gen.  et.  Corr.  I,  p.  325,  326.
2  Aristot.  An.  II,  p.  416.
            
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