Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 93. Band, (Jahrgang 1879)

476

Werner.

zwar  eine  an  sicli  richtige  und  fruchtbare  Idee,  deren  wahren
Gehalt  er  indess  nicht  erfasst.  Das  dem  organisch  gegliederten
Leibe  entsprechende  psychische  Gebilde  ist  der  vollentwickelte
ausgewachsene  innere  Seelenmensch,  dessen  Gliederung  sonach
das  Resultat  eines,  aus  einem  anfänglich  unentwickelten  Realprincipe
  heraus  erfolgten  Entwickelungsprocesses  ist.  Dieses
Gebilde  des  gewordenen  inneren  Seelenmenschen,  welches  sich
in  der  entwickelten  Leibesgestalt  plastisch  abdrückt  und  ausdrückt, ­
  hat  mit  der  von  Baco  hervorgehobenen  Dreitheilung
der  Seele  nichts  gemein.
Baco  äussert  sich  wiederholt  tadelnd  über  die  Einmengung
der  Imagination  in  die  Gedanken  von  rein  geistigen  Dingen,
bleibt  aber  in  Auffassung  dieser  Dinge  bei  einem  abstracten
Spiritualismus  stehen,  weil  er  die  im  speculativen  Vernunfterkennen ­
  zu  Tage  tretende  innigste  Einheit  der  Verstandesund
  Phantasiethätigkeit  nicht  kennt,  also  das  Wesen  der  denkenden ­
  Seele  nicht  in  der  Tiefe  seiner  concreten  Lebendigkeit
zu  fassen  vermag.  Der  abstracte  Spiritualismus  seiner  metaphysischen ­
  Ratiocination  hat  seinen  Grund  in  der  ungerechtfertigten ­
  Abtrennung  der  intellectiven  Seele  von  demjenigen,
was  er  mit  den  Scholastikern  die  Anima  sensitiva  und  vegetativa ­
  nennt;  er  weiss,  mit  einem  Worte,  das  Wesen  der  Seele
nicht  voll  zu  fassen.  Diess  zeigt  sich  auch  in  seinen  Angaben
über  den  Modus  der  Präsenz  der  intellectiven  Seele  im  menschlichen ­
  Leibe.  Er  bleibt  bei  der  Behauptung  der  Illocalität  der
Seele  stehen,  um  daraus  zu  folgern,  dass  die  Seele  nicht  in
einem  bestimmten  örtlichen  Punkte  des  Leibes,  sondern  im
ganzen  Körper  substanziell  gegenwärtig  sei; 1  denn  es  gebe  kein

1  Op.  tert.,  c.  49.  —  Vgl.  hiemit  die  in  der  oben  (S.  469,  Anm.  4)  citirten
Epistola  Roberts  von  Lincoln  enthaltenen  Ausführungen  gleichen  Inhaltes:
Anima  tota  essentialiter  ubique  est  in  corpore  quod  vivificat  ....  Qui
dicunt  eam  virtute  sola  per  totum  corpus  diffusam,  iinaginantur  eam  sieut
punctum  lucis  siturn  in  corde  vel  in  cerebro,  undique  a  se  per  totum
corpus  radios  diffundentis.  Haee  imaginatio  vana  est;  non  enim  ipsa
situalis  est,  cum  sit  pure  iucorporea  Solet  tarnen  anima  diei  esse
vel  situm  habere  in  illa  parte  corporis,  ubi  inchoat  motiones  suas  eorporeas
  quibus  utitur  in  regimitie  corporis,  utpote  in  corde,  quia  illinc  inchoat
motiones  corporeas,  quibus  utitur  in  vivificando  corpore,  vel  in  cerebro,
quia  illinc  inchoat  motiones  corporeas,  quibus  utitur  in  sentiendo  vel
corpus  suum  localiter  movendo.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.