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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 93. Band, (Jahrgang 1879)

Die  Psychologie,  Erkenntniss-  und  Wissenschaftslehre  des  Roger  Baco.  4:75

sich  in  das  überthierische  Wesen  des  Menschen  nicht  zu  finden,
und  weiss  den  an  sich  richtigen  Gedanken  der  Naturlebendigkeit ­
  des  sinnlich-leiblichen  Körpergebildes  des  Menschen  mit
dem  Wesensbegriffe  der  menschlichen  Seele  nicht  zu  vermitteln.
Auch  vermag  er  die  von  ihm  behauptete  Substanzeinheit  oder
metaphysische  Einfachheit  der  Seele  nicht  zu  erhärten. 1  Wenn
die  beiden  generirten  Seelen  das  Product  eines  physikalischen
Processes  sind,  so  sind  sie  etwas  dem  Wesen  nach  von  der  gottgeschaffenen ­
  intellectiven  Seele  Verschiedenes; 2  wie  können  sie
mit  dieser  in  Eine  Substanz  Zusammengehen,  und  wie  soll
diese  Eine  Substanz  als  eine  nicht  zusammengesetzte  gelten
können?  Baco  behauptet,  jene  beiden  Seelen  seien  keine  Körper,
daher  ihre  Zusammensetzung  keine  körperliche  Zusammensetzung, ­
  welche  ein  räumliches  Aussereinandersein  involvire;
somit  bleibe  die  Einfachheit  und  Geistigkeit  der  Seele  gewahrt. 3
Daraus  ergibt  sich  indess  nur,  dass  Baco  vom  Wesen  des
Geistigen  einen  rein  negativen  Begriff,  jenen  der  Unräumlichkeit ­
  und  Unkörperlichkeit  hat.  Wenn  er  ferner  die  von  ihm
angenommene  Zusammengesetztheit  der  Seele  analogisch  durch
die  Zusammengesetztheit  des  seiner  Substanz  nach  Einen  organischen ­
  Menschenleibes  zu  erläutern  versucht,  so  berührt  er

1  Seine  Polemik  gegen  die  Behauptung,  dass  die  Potenzen  dev  Seele  blosse
Accidenzen  der  Seele  seien,  treibt  ihn  zur  Annahme  einer  Substanzmehrheit
innerhalb  der  Einen  Menschenseele:  Vegetativum  et  sensitivum  inducuntur
in  esse  per  generationem;  ergo  earum  substantia  prius  introdueitur,  quam
substantia  cujus  intellectivum  est  potentia.  Ergo  non  sunt  potentiae  ejusdem
  substantiae.  Sed  propter  hoc  ponuntur  accidentia,  quia  in  eadem
substantia  ponuntur.  0.  c.,  fol.  84.
2  Diess  wird  von  Baco  auch  ausdrücklich  behauptet:  Concordat  cum  fide,
ut  sola  imado  Dei  creetur,  et  haec  est  anima  intelleetiva.  O.  c.,  fol.  79.
3  Cum  autem  arguunt,  quod  tune  erunt.  multae  substantiae  in  anima,  cum
tarnen  auctores  dicant,  quod  est  una  substantia,  dicendum,  quod  est  una
substantia  composita  ex  pluribus  partibus  sicut  Corpus,  cujus  partes  sunt
diversae  per  essentiam  sicut  partes  corporis,  tarnen  unum  per  essentiam
ex  eis;  et  hoc  est  verum  unum.  Quia  sicut  in  corpore  l'esultat  una  forma
copulans  omnes  partes  in  unitate  essentiali,  sic  est  a  parte  animae,  cujus
una  natura  substantialis  resultat  ex  partibus  pluribus,  in  qua  habout  unitatem
  essentialem.  Et  ex  hac  unitate  patet,  quod  non  potentiae  animae
accidentia  ejusdem  substantiae,  ut  ponit  opinio  damnabilis  Parisius;  et
similiter  alia,  quae  ponit  medium  inter  substantiam  et  accidens,  destruitur
per  hoc  idem.  O.  c.,  fol.  84.
            
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