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seele; daraus würde also folgen, dass mit der Corruption der
beiden genannten corruptiblen Theile die Menschenseele selber
zu sein aufhören müsste. Duns Scotus beruft sich zur Bestätigung
seiner Widerlegung auf das von ihm für Augustins
Werk gehaltene Buch de Spiritu et Anima, dessen Auctorität
aber freilich Baco, dem die Unächtheit desselben bereits bekannt
war, nicht gelten lassen mag, 1 und eben so wenig jene
des gleichfalls nicht von Augustinus herrührenden Liber de
dogmatibus ecclesiasticis. Man finde in diesen beiden Büchern
allerdings den Satz ausgesprochen, dass die drei Principien,
das Intellectiv-, Sensations- und Yegetativprincip auf einmal geschaffen
werden; aber selbst wenn dieser Ausspruch von einem
Kirchenlehrer herrühren sollte — wer weiss nicht, dass die
altchristlichen Lehrer gewisse Gegenstände nur obenhin und
in populärer Sprechweise berühren, ohne über die philosophische
Natur derselben etwas entscheiden zu wollen. So spricht
Papst Gregor in einer seiner Homilien den Pflanzen die Beseelung
ab, 2 und die Kirche verleiht seinem Ausspruche durch
die feierliche Verlesung jener Homilie beim Gottesdienste gewisser
Maassen eine perpetuirliche Dauer. 3 Und doch wissen
alle Theologen und Philosophen, dass die Pflanzen eine Seele
haben, und zwar im Unterschiede von den Thieren eine bloss
vegetative, während den Thieren zugleich eine sensitive Seele
zukommt. Die Verrichtungen beider Seelen sind im Menschen
dieselben, wie bei Pflanze und Thier; diess spricht dafür, dass
die vegetative und sensitive Seele im Menschen derselben Natur
seien, wie bei Pflanze und Thier, und dass sie auf demselben
Wege, wie beim Thiere erzeugt werden. Man sieht, Baco weiss
* Auch Thomas wusste bereits um die Unächtheit dieser Schrift. Vgl.
Sum. 1 qu. 77, art. 8.
2 Gregor spricht mit der Bibel bloss von Seelen der Menschen und Thiere:
Potest per animam omnis viventis jumentorum vita signari. Omnipotens
Deus jumentorum animam usque ad corporeos sensus vivificat, hominum
vero spiritum usque ad spiritualem intellectum tendit. In Job, Lib. XI,
c. 5 (ad. Job 12, 10).
3 Baco citirt als Worte Gregors den Ausspruch: Plantae non habent animam
sed viriditatem. Den Pflanzen eine Seele abzuerkennen, entspreche
der volksmässigen Anschauung: Imo vulgus laicorum in multis regionibus
adhuc credit, quod soli homines animas habeant. Unde derident clericos,
qui dicunt, canes et cetera bruta habere animas. Commun. Natur., fol. 80.