s
Briefe des Claudius Cantiuncula und Ulrich Zasius. Von 1521—1533.
427
Doch bevor der Inhalt des Mitgetheilten einer kurzen
Besprechung unterzogen wird, einige Worte über den ersten
der genannten Juristen, über Claudius Cantiuncula. Ich
kann mich dabei um so kürzer fassen, als sich das oben genannte
neue Werk über ihn ausführlich und mit dankeswerther
Genauigkeit verbreitet.
Freilich mehr liess sich über seine Geburt auch dort nicht
feststellen, als dass Cantiuncula in den letzten Jahren des fünfzehnten
Jahrhunderts zu Metz geboren ward, wo sein Vater
Notar gewesen. Er studirte in Löwen, kam dann 1517 nach
Basel, wo er 1521 Professor (Ordinarius legum) wurde. Aus
den Biographien des Erasmus, Beatus Rhenanus u. A. weiss
man, was Basel damals für die Pflege der gelehrten Studien
bedeutete, die berühmtesten Gelehrten trafen sich hier, die
Officinen Amerbach’s und Froben’s versorgten die gelehrte Welt
mit zahlreichen und werthvollen- Novitäten. Begreiflich, dass
sich Cantiuncula’s Talent hier bald entfaltete, dass der junge
Jurist in rege Beziehungen zu L. Bär, Glarean, Bonifacius
Amerbach u. A., ja selbst zu dem grossen Erasmus trat. Das
Urtheil des Erasmus ist für ihn ausserordentlich ehrenvoll. In
seinem ,Ciceronianus‘ sagt er: 1 Nosti Claudium Cantiunculam
Metensem Cantiuncula ut est ingenio festiuo, in quouis
argumento tractando suauissime canit, praesertim oratione prosa,
quantum ualeat carmine nescio, nec infeliciter properat ad
exemplar Ciceronis. Fluxum, perspicuitatem, copiam ac
iucunditatem M. Tullii propemodum assequutus est, sed iampridem
in Principum legationibus fabulam agit motoriam, quum
hoc negocium altissimam quietem desideret et tarnen ita quotidie
seipsum uincit, quasi per terras mariaque uolitans, Musas
omnes secum ducat comites. Habet hoc eximium, quod Juris
prudentiam ac Philosophiae cog-nitionem eloquentiae conciliauit.
In der Vorrede zu J. Chrysostomus Enarratio in epistolam ad
Galatas (1527), die dem Cardinal Johann von Lothringen gewidmet
ist, 2 erwähnt er, dass ihn Cantiuncula zu dieser Heber -
setzung gebracht habe: Ut tale quid auderem, crebro mecum
eg'it Claudius Cantiuncula, minimumque abfuit, quin perpulerit.
' Opera I, 1012 A.
2 Opera VIII, 266.