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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 93. Band, (Jahrgang 1879)

s

Briefe  des  Claudius  Cantiuncula  und  Ulrich  Zasius.  Von  1521—1533.

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Doch  bevor  der  Inhalt  des  Mitgetheilten  einer  kurzen
Besprechung  unterzogen  wird,  einige  Worte  über  den  ersten
der  genannten  Juristen,  über  Claudius  Cantiuncula.  Ich
kann  mich  dabei  um  so  kürzer  fassen,  als  sich  das  oben  genannte ­
  neue  Werk  über  ihn  ausführlich  und  mit  dankeswerther
Genauigkeit  verbreitet.
Freilich  mehr  liess  sich  über  seine  Geburt  auch  dort  nicht
feststellen,  als  dass  Cantiuncula  in  den  letzten  Jahren  des  fünfzehnten ­
  Jahrhunderts  zu  Metz  geboren  ward,  wo  sein  Vater
Notar  gewesen.  Er  studirte  in  Löwen,  kam  dann  1517  nach
Basel,  wo  er  1521  Professor  (Ordinarius  legum)  wurde.  Aus
den  Biographien  des  Erasmus,  Beatus  Rhenanus  u.  A.  weiss
man,  was  Basel  damals  für  die  Pflege  der  gelehrten  Studien
bedeutete,  die  berühmtesten  Gelehrten  trafen  sich  hier,  die
Officinen  Amerbach’s  und  Froben’s  versorgten  die  gelehrte  Welt
mit  zahlreichen  und  werthvollen-  Novitäten.  Begreiflich,  dass
sich  Cantiuncula’s  Talent  hier  bald  entfaltete,  dass  der  junge
Jurist  in  rege  Beziehungen  zu  L.  Bär,  Glarean,  Bonifacius
Amerbach  u.  A.,  ja  selbst  zu  dem  grossen  Erasmus  trat.  Das
Urtheil  des  Erasmus  ist  für  ihn  ausserordentlich  ehrenvoll.  In
seinem  ,Ciceronianus‘  sagt  er:  1  Nosti  Claudium  Cantiunculam
Metensem  Cantiuncula  ut  est  ingenio  festiuo,  in  quouis
argumento  tractando  suauissime  canit,  praesertim  oratione  prosa,
quantum  ualeat  carmine  nescio,  nec  infeliciter  properat  ad
exemplar  Ciceronis.  Fluxum,  perspicuitatem,  copiam  ac
iucunditatem  M.  Tullii  propemodum  assequutus  est,  sed  iampridem
  in  Principum  legationibus  fabulam  agit  motoriam,  quum
hoc  negocium  altissimam  quietem  desideret  et  tarnen  ita  quotidie
  seipsum  uincit,  quasi  per  terras  mariaque  uolitans,  Musas
omnes  secum  ducat  comites.  Habet  hoc  eximium,  quod  Juris
prudentiam  ac  Philosophiae  cog-nitionem  eloquentiae  conciliauit.
In  der  Vorrede  zu  J.  Chrysostomus  Enarratio  in  epistolam  ad
Galatas  (1527),  die  dem  Cardinal  Johann  von  Lothringen  gewidmet ­
  ist, 2  erwähnt  er,  dass  ihn  Cantiuncula  zu  dieser  Heber  -
setzung  gebracht  habe:  Ut  tale  quid  auderem,  crebro  mecum
eg'it  Claudius  Cantiuncula,  minimumque  abfuit,  quin  perpulerit.

'  Opera  I,  1012  A.
2  Opera  VIII,  266.
            
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