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Horawitz.
und Reformatoren schieden, die im Anfänge der gewaltigen
geistigen Bewegungen zusammengingen. Jene Epoche war es
ja, die Erasmus und seinen Kreis den Wittenbergern entfremdete;
das Jahr 1525 wird gewöhnlich als das Scheidejahr beider früher
geeinten Richtungen angenommen. Ueber dem Dräuen der
,Schwarm- und Rottengeister', dem ,höllischen Wüthen' der
Bauern, den Wiedertäufer-Gräueln und alle dem zogen sich
die Aengstlicheren, Weicheren, Feineren unter den Männern
der neuen Bildung zurück; tief verstimmt war vornehmlich der
Basler Gelehrtenkreis, begann ja daselbst eine förmliche Auswanderung
vor dem Eindringen reformatorischer Gedanken, als
dieselben in die Wirklichkeit übersetzt wurden.
In mehreren früheren Schriften habe ich auf den psychologischen
Prozess in der Entwicklung unserer grossen Philologen
hingewiesen, Manchem kostete es schwere Mühe, ihn
durchzumachen, keiner wohl hat mehr davon zu leiden gehabt
als der Grösste unter ihnen — Erasmus. Andere fanden sich
leichter mit ihm ab, sie blickten einfach auf ihr grosses Vorbild
und ahmten es nach, so z. B. Michael Hummelberger. In
den vorliegenden Briefen der zwei grossen Juristen gewahrt
man keine Anstrengung Seelenbewegungen zu meistern, in dem
Bildungsgänge und den persönlichen Verhältnissen — ich will
nicht sagen, in der Betrachtungsweise des Rechtsgelehrten — lag
es wohl, dass sie conservativ wie sie waren, lieber beim Alten,
bei den seit Jahrhunderten anerkannten festen Gewalten in
Kirche und Staat verblieben. Die Auffassung des Romanen
— denn als solchen müssen wir Üantiuncula fassen, auch sein
Latein trägt Spuren davon 1 — wie des Schweizers ist in dem
Einen gleich: sie stehen noch vielfach auf mittelalterlichem
Boden, der ’Humanismus ist für sie nur ein wissenschaftliches
Element, -dem sie nicht allzu viel Einfluss auf das Leben, nur
den formalen auf die Sprache und Anlage ihrer Briefe und
Schriften gestatten. So zeigt sich denn auch in diesen Briefen
festes Halten an eben angegriffenen Institutionen, ein vorsichtiges
Vermeiden jener Gesprächsstoffe, die doch alle Welt
beschäftigten und selbst in Klosterzellen und Gelehrtenstuben
Aufregung, Begeisterung oder Zorn erzeugten.
1 betae z. B. ist doch gewiss kein guter lateinischer Ausdruck.