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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 93. Band, (Jahrgang 1879)

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Horawitz.

und  Reformatoren  schieden,  die  im  Anfänge  der  gewaltigen
geistigen  Bewegungen  zusammengingen.  Jene  Epoche  war  es
ja,  die  Erasmus  und  seinen  Kreis  den  Wittenbergern  entfremdete;
das  Jahr  1525  wird  gewöhnlich  als  das  Scheidejahr  beider  früher
geeinten  Richtungen  angenommen.  Ueber  dem  Dräuen  der
,Schwarm-  und  Rottengeister',  dem  ,höllischen  Wüthen'  der
Bauern,  den  Wiedertäufer-Gräueln  und  alle  dem  zogen  sich
die  Aengstlicheren,  Weicheren,  Feineren  unter  den  Männern
der  neuen  Bildung  zurück;  tief  verstimmt  war  vornehmlich  der
Basler  Gelehrtenkreis,  begann  ja  daselbst  eine  förmliche  Auswanderung ­
  vor  dem  Eindringen  reformatorischer  Gedanken,  als
dieselben  in  die  Wirklichkeit  übersetzt  wurden.
In  mehreren  früheren  Schriften  habe  ich  auf  den  psychologischen ­
  Prozess  in  der  Entwicklung  unserer  grossen  Philologen ­
  hingewiesen,  Manchem  kostete  es  schwere  Mühe,  ihn
durchzumachen,  keiner  wohl  hat  mehr  davon  zu  leiden  gehabt
als  der  Grösste  unter  ihnen  —  Erasmus.  Andere  fanden  sich
leichter  mit  ihm  ab,  sie  blickten  einfach  auf  ihr  grosses  Vorbild ­
  und  ahmten  es  nach,  so  z.  B.  Michael  Hummelberger.  In
den  vorliegenden  Briefen  der  zwei  grossen  Juristen  gewahrt
man  keine  Anstrengung  Seelenbewegungen  zu  meistern,  in  dem
Bildungsgänge  und  den  persönlichen  Verhältnissen  —  ich  will
nicht  sagen,  in  der  Betrachtungsweise  des  Rechtsgelehrten  —  lag
es  wohl,  dass  sie  conservativ  wie  sie  waren,  lieber  beim  Alten,
bei  den  seit  Jahrhunderten  anerkannten  festen  Gewalten  in
Kirche  und  Staat  verblieben.  Die  Auffassung  des  Romanen
—  denn  als  solchen  müssen  wir  Üantiuncula  fassen,  auch  sein
Latein  trägt  Spuren  davon  1  —  wie  des  Schweizers  ist  in  dem
Einen  gleich:  sie  stehen  noch  vielfach  auf  mittelalterlichem
Boden,  der  ’Humanismus  ist  für  sie  nur  ein  wissenschaftliches
Element,  -dem  sie  nicht  allzu  viel  Einfluss  auf  das  Leben,  nur
den  formalen  auf  die  Sprache  und  Anlage  ihrer  Briefe  und
Schriften  gestatten.  So  zeigt  sich  denn  auch  in  diesen  Briefen
festes  Halten  an  eben  angegriffenen  Institutionen,  ein  vorsichtiges ­
  Vermeiden  jener  Gesprächsstoffe,  die  doch  alle  Welt
beschäftigten  und  selbst  in  Klosterzellen  und  Gelehrtenstuben
Aufregung,  Begeisterung  oder  Zorn  erzeugten.

1  betae  z.  B.  ist  doch  gewiss  kein  guter  lateinischer  Ausdruck.
            
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