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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 93. Band, (Jahrgang 1879)

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Potschenig.

haben  überhaupt  kein  Recht  uns  einem  übereifrigen  Purismus
hinzugeben,  am  allerwenigsten  bei  Autoren  von  dem  Kaliber
unserer  Scriptores,  denen  man  doch  sonst  alle  möglichen  Soloecismen
  und  Barbarismen  nachzusehen  pflegt.  Warum  sollten
also  die  Handschriften  nicht  Recht  haben?  Warum  sollte  Lampridius
  nicht  haben  schreiben  können  quod  quodam  tempore
frustra, 1  ut  solent  Antiochenses  Aegyptii  Alexandrini,  lacessitus
erat  conuiciolis,  et  Syrum  archisynagogum  eum  uocantes  et
archiercum,  während  man  Aehnliches  hei  Anderen  in  Hülle  und
Fülle  findet?  Vgl.  Fulgent.  Mytli.  III,  5:  mater  deum  dicta  est,
Mud  nihilominus  ostendere  uolentes.  Victor  Vit.  I,  1:  et  sic
eadem  atque  iterum  tali  crudelitate  für  ent  es,  ab  eorum  contagione
  nullus  remansit.  locus  immunis;  ibid.  II,  14:  cognoscentes
igitur  qui  aderamus  simidque  legentes,  contritum  est  extemplo
cor  nostrum;  ibid.  V,  2:  Qui  .  .  .  dum  .  .  .  penderet,  nunc  in
sublime  tollentes,  ictu  celeri  dimissis  .  .  .  cannabinis  super
silices  platearum  .  .  .  conruebat.
Für  eine  Anzahl  von  Stellen,  an  denen  die  Ueberlieferung
zu  belassen  ist,  kann  man  keine  bestimmten  Gesichtspunkte
aufstellen;  sie  sollen  daher  nach  der  Reihenfolge  der  Vitae
behandelt  werden.  Marc.  19,  9:  dos  autem  quid  habebatur  nisi
Imperium,  quod  Ule  ab  socero  uolente  Hadriano  adoptatus  acceperat.
  nisi  fehlt  in  BP.  Es  dürfte  daher  einfach  ein  Fragezeichen ­
  nach  habebatur  zu  setzen  und  der  folgende  Satz  als
Antwort  aufzufassen  sein,  wodurch  die  Stelle  zugleich  eine  lebhafte ­
  rhetorische  Färbung  erhielte.
Marc.  28,  10:  fertur  filium  mori  uoluisse,  cum  eum  talem
uideret  futurum,  qualis  extitit  post  eius  mortem.  BP:  quitalis.
Dies  lässt  sich  im  Hinblicke  auf  andere  Stellen  halten,  an
denen  gleichfalls  ein  und  dasselbe  Wort,  welches  hervorgehoben ­
  werden  soll,  sich  wiederholt.  Vgl.  Uer.  6,  3—4:  nam  et
Uolucri  equo  .  .  sivudacrum  fecerat  .  .  cui  quidem  passas  uuas
.  .  in  praesepe  ponebut,  quem,  sagis  .  .  coopertum  .  .  adduci
iubebat,  cui  mortuo  sepidchrum  .  .  fecit.  Tacit.  16,  6:  Nunc

1  In  den  Handschriften  steht  nämlich  fruata,  eine  ganz  gewöhnliche  Verschreibung ­
  für  frustra,  die  sich  auch  nocli  Maximin.  22,  1  und  Aurel.
21,  7  findet.  Da  nun  frustra  auch  den  Sinn  von  temere  oder  [j.<xTr]V  haben
kann,  ist  jede  Aenderung  der  handschriftlichen  Lesart  überflüssig.
            
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