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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 93. Band, (Jahrgang 1879)

lieber  die  weichen  a-,  o-  und  «-Silben  im  Alfcbohmischen.

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in  Böhmen);  theils  bestanden  sie  auf  demselben  Dialektgebiete
in  gewissen  Fällen  gleichberechtigt  neben  einander,  und  zwar
bestanden  «-Formen  im  Bereiche  des  /«-Dialekts:  povylwje
neben  povyä/wje,  posl«  n.  posl/«,  posl«  n.  posli«,  pisi«  n.  pis/z«,
Sv  je  n.  c/«je,  vs?zdy  n.  v§/itdy  u.  s.  w.
4.  Die  jotierte  Form  dus/it,  sbozi«,  .  .  .  ging  durch  die
vom  /-Laute  bewirkte  Assimilation  in  i  über,  aus  dem  y«-Dialekt ­
  wurde  ein  «-Dialekt:  dus«,  sboz«  .  .  .
5.  Der  Uebergang  von  -/«  zu  -i,  dus/«  —  dus«,  war  aber
nicht  unmittelbar,  sondern  durch  einen  Uebergangslaut  vermittelt, ­
  der  fehlerhafte  Schreibungen  wie  wod«/«cz  Pass.  343
statt  vod«c  möglich  gemacht  hat.
G.  Die  unjotierte  Form  dus«,  sboz«  .  .  .  dagegen  ist  unverändert ­
  geblieben,  weil  sie  den  die  Veränderung  bewirkenden
/-Laut  nicht  hatte;  sie  besteht  als  charakteristisches  Merkmal
des  neuböhmischen  «-Dialekts  (in  Mähren  u.  s.  w.)  und  hat
sich  auch  im  «-Dialekt  (im  eigentlich  Böhmischen)  in  gewissen
Fällen  erhalten,  theils  alleinig  geltend,  theils  in  der  Umgangssprache ­
  gebräuchlich  anstatt  der  assimilierten  Form  der  Schriftsprache, ­
  und  zwar  in  denselben  Fällen,  in  denen  auch  schon
der  alte  /«/-Dialekt,  zwischen  n-  und  //«-Formen  schwankte:
povysz/je  (nicht  povystje),  posl?«  neben  veraltetem  poSl«,  pis«
neben  grammatischem  pis«,  piso«  neben  pis«',  cujv  neben  ö«j/',
cz/ch  neben  cz'ch  u.  ä.  —
Zum  Schlüsse  noch  eine  Bemerkung  über  den  Werth  der
durch  die  Untersuchung  der  weichen,  e-,  a-,  o-  und  «-Silben
gewonnenen  Resultate.  Er  ist  in  doppelter  Hinsicht  zu  schätzen:
für  die  Geschichte  der  böhmischen  Sprache  und  für  die  altböhmischen ­
  Handschriften.
Für  die  Geschichte  der  Sprache  hat  die  Betrachtung  der
e-Silben  ergeben,  dass  im  Altböhmisclieu  zwischen  e  und  e
(lang  e  und  ie)  ein  etymologischer  Unterschied  bestanden  habe,
und  dass  in  dieser  Hinsicht  die  organischen  Wechselbeziehungen ­
  zwischen  der  böhmischen  Sprache  des  XIII.  und  XIV.  Jahrhunderts ­
  einerseits  und  den  übrigen  Slavinen,  namentlich  aber
dem  Altslovenisehen  andererseits  viel  deutlicher  und  lebendiger
waren,  als  man  geahnt  hat.  Ferner  hat  die  Betrachtung  der
«-Silben  die  Spaltung  der  böhmischen  Sprache  in  den  heutigen
Sitzungsber.  d.  phil.-bist.  CI.  XCJII.  Bd.  II.  Ilt't.  23
            
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