350
Gebauer.
auf mannigfache Art
rklärt
Diese Erscheinung kann
werden.
1. Sie ist vielleicht ein rein mechanischer, aber beliebt
gewordener Schreibfehler: das ältere diüyit war in dusi übergegangen,
die in älteren Handschriften dussi/M, dussw, dussM
geschriebene Form wurde der neueren Sprache entsprechend
dusi gelesen und hieraus wurde gefolgert, dass jedes beliebige,
selbst auch das ursprüngliche i in der Schrift durch yu, iu, u
bezeichnet werden könne, dass mau auch vfoäyucz, Pass. 343 statt
vodiö, prawmciu 2iKlem. 78 a statt pravicju, twssyczie i^Wittb.
83 statt t/sice u. s. w. schreiben könne. Ohne Beispiel wäre
dieser Fehlschluss im Altböhmischen nicht. Zur Zeit der Lautwandlungen
wo — ü, au—ou,, aj—ej, ie—i hat man auch z. B.
cehm ves Accus, sing, statt celit, daMfati statt donfati aus
do-ufati, ncysem statt ne/sem aus ne-jsem, reöenych dedictvie
statt dedictv« pl. Gen. u. s. w. geschrieben und glaubte sicherlich
dies mit demselben Rechte thun zu dürfen, wie wenn
kwon, scrad, pcy'cha, viera statt des gehörten fahr, sowd, pe/cha,
vira geschrieben wurde; vergl. Listy filologicke 1874, 50—51.
Allein für die hier betrachteten Handschriften und namentlich
für den in sonstiger Beziehung so genauen Schreiber des Pass,
scheint mir die Annahme eines so plumpen Schreibfehlers unbillig
und ungerechtfertigt.
2. Es verdient offenbar die Erklärung den Vorzug, die
die Ursache dieser abnormalen Schreibung in der Aussprache
sucht. Im Sinne einer solchen Erklärung könnte man anuehmen,
ursprüngliches i sei auch im Altböhmischen manchmal
in ju oder u übergegangen, wie dies nach Miklosich,
Gramm. 1. 266, im bulgarischen s/wrok neben si'rok latus,
z/Kvej , L neben ziveji vivo der Fall ist. Bedenkt man aber,
wie vereinzelt diese Beispiele dastehen, und dass sie der vom
Ende des XIII. bis zur Mitte des XIV. Jahrh. sich allgemein
vollziehenden Assimilation (dusjit — dusij. gerade entgegengesetzt
sind, so wird man diese Annahme kaum wahrscheinlich
finden. Dann bleibt aber nichts Anderes übi'ig, als anzunehmen,
das in diesen Fällen geschriebene yu, iu, u bedeute weder
den ursprünglichen jotierten oder unjotierten Vocal u, noch
den nach vollzogener Assimilation ihn vertretenden Laut i,
sondern irgend eine Uebergangsstufe zwischen (j)u und i, analog