Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 93. Band, (Jahrgang 1879)

342

Gebauer.

etymologischen  Ursprung  dieses  Lautes,  aber  sie  sind  auch  kein
hinreichendes  Zeugniss  dagegen.  Sie  kommen  verhältnissmässig
  sehr  selten  vor  und  die  Mehrzahl  von  ihnen  ist  theils
durch  die  abweichende  Aussprache  zu  rechtfertigen,  theils
durch  unvollkommene  Orthographie  zu  erklären.  Von  den
Abweichungen  der  Aussprache  wird  weiter  unten  die  Rede
sein.  Was  aber  die  Orthographie  betrifft,  so  darf  man  nicht
übersehen,  dass  ihre  Mittel  bis  gegen  das  Ende  des  XIII.  Jahrh.
sehr  ungenügend  waren,  dass  sie  sich  erst  mit  der  Zeit  entwickelten ­
  und  vervollkommneten,  und  dass  in  Folge  dessen
auch  die  Jotierung,  selbst  wo  sie  etymologisch  berechtigt  ist,
in  der  Schrift  erst  dann  gehörig  durchgeführt  werden  konnte,
als  die  orthographische  Kunst  schon  genügend  entwickelt  war.
Es  gilt  hier  dasselbe,  was  von  den  weichen  e-Silben;  z.  B.  in
hrziessyl  Pass.  397,  d.  i.  hfesil  asl.  grlsili,  hat  sich  das  e
sicherlich  nicht  erst  um  das  Jahr  1300  entwickelt,  es  war
hier  sicher  lange  vorher  und  gewiss  schon  im  XIII.  Jahrh.,
und  doch  liest  man  in  einem  Liede  aus  dem  Ende  dieses  Jahrhunderts ­
  blosses  e:  Evino  zressenie  statt  zhfesenie  (Cas.  Cesk.
Mus.  1878,  293).
9)  Es  liegt  ferner  auch  die  Einwendung  nahe,  dass  in
der  Mehrzahl  der  Fälle  die  Jotation  ohne  etymologische  Berechtigung ­
  ist.  In  Fällen  wie  Dat.  sing,  sboziw  aus  sboziju,
zabw  aus  zabiju  u.  dgl.  ist  die  Jotation  aus  der  uncontrahierten
  Form  herübergekommen  und  demnach  berechtigt;  dies  ist
aber  nicht  der  Fall  im  Acc.  mezrt,  1.  sing,  prosw  u.  s.  w.;
zwar  ist  auch  hier  einst  ein  etymologisches  j  gewesen,  indem
diese  Formen  aus  *meeZ/u,  *pros/u  ...  zu  erklären  sind,  das  j
ist  aber  in  den  erfolgten  Lautveränderungen  dj-z,  sj-s  .  .  .
aufgegangen  und  bietet  keine  Berechtigung  zur  Jotation  im
altböhm.  mßzju,  pro§ju  .  .  .  Die  Einwendung  fragt  also  nach
dem  Ursprünge  des  j  in  mezju,  proSju  .  .  .,-  sie  bestreitet,
dass  er  etymologisch  wäre,  und  erklärt  darauf  hin  diese  Jotation ­
  für  ein  bloss  graphisches  Zeichen  ohne  selbstständigen
lautlichen  Werth.  Dieser  Schluss  ist  aber  unrichtig.  Selbst
wenn  man  zugibt,  dass  die  hier  besprochene  Jotation  unorganisch ­
  ist,  so  ist  deswegen  ihr  lautliches  Dasein  doch  nicht
in  Abrede  zu  stellen,  denn  sie  hat,  was  wahrscheinlich  ist
(Schmidt,  Beiträge  6.  131  ff.,  Miklosich,  Altsloven.  lautlehre  3
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.