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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 93. Band, (Jahrgang 1879)

Die  Entwicklung  der  Staatswissenachaft  bei  den  Griechen.

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auch  hier  Gewalt  hat,  das  erzeugt  er  sich  selber  und  strebt
darnach  es  zu  erzeugen.  Es  genügt  daher  nicht  jene  Mächte
zu  beseitigen;  fast  schwieriger  als  der  Kampf  mit  ihnen  selbst
ist  der  Kampf  mit  dem  persönlichen  Wunsche  sie  zu  besitzen.
Und  hier  ist  es,  wo  Lykurg  am  meisten  geleistet  hat  und  wo
er  sich  von  Solon  am  tiefsten  unterscheidet.
Denn  jenem  Stroben  nach  Genuss  kann  man  nur  eines
entgegensetzen  und  das  ist  die  Verachtung  ihrer  selbst  und
diejenige  der  sie  Geniessenden.  Soll  aber  diese  erst  durch
Reflexion  entstehen,  so  kommt  sie  zu  spät.  Soll  sie  aus  dem
subjectiven  Gefühle,  in  welchem  sie  doch  niemals  ganz  gesichert ­
  ist,  zur  objectiven  Macht  werden,  so  muss  sie  auf
Grundlage  der  Erziehung  sich  zur  geltenden  Volkssitte  gestalten. ­
  Das  aber  kann  sie  wiederum  nur  dann,  wenn  diese
Erziehung  selbst  von  jedem  Einflüsse  der  Verschiedenheit  des
Vermögens  die  bloss  physische  Entwicklung  des  Menschen  zum
Inhalt  hat  und  damit  zur  absoluten  Gleichheit  der  Erziehung
wird.  Erst  dadurch  konnte  Lykurg  das  Grosse  sichern,  das
er  für  das  Leben  des  Besitzes  erreicht  hatte.
Und  das  ist  ihm  gelungen.  Wir  glauben  an  diesem  Orte
über  die  Formen  der  spartanischen  Erziehung  um  so  weniger
etwas  sagen  zu  sollen,  als  sie  schliesslich  ungemein  einfach
war.  Es  war  die  ohne  Rücksicht  auf  Besitz  und  Stand  der
Eltern  für  alle  gleiche,  rauhe,  geistlose  Erziehung  der  Soldatcnkinder,
  deren  Grundlage  Strenge  und  Entbehrung  neben  der
Achtung  vor  den  ,  Altgedienten*,  deren  Inhalt  Leibes-  und
Waffen  Übung,  deren  Ziel  und  Ruhm  Waffenleistung  war.  Damit
aber  nicht  im  Hintergründe  wie  bei  den  alten  Pasargaden,  die
Aussicht  auf  glänzendes  Leben  nach  der  Mündigkeit  das  harte
erträglich  mache,  waren  ja  die  Eltern  selbst  arm;  für  den
Knaben  gab  es  keine  Zukunft  im  väterlichen  Hause;  er  war
und  blieb  ein  ,Kind  des  Regiments*;  und  dass  er  nicht,  vom
alten  herrschenden  Adel  abstammend,  lüstern  nach  den  Töchtern
der  Heloten  schiele,  liess  Lykurg  die  Kinder  beider  Geschlechter
gemeinsam  und  fast  unbekleidet  ihre  Gymnastik  treiben.  So
war  das  ein  Ganzes  in  sich  und  doch  nur  ein  Tlieil  eines
grösseren  Ganzen.  Denn  wer  stand  dafür,  dass  der  Ankla'ng
an  geistige  Bildung  und  höhere  Bedürfnisse  nicht  denn  doch
zuletzt  den  Wunsch  nach  einem  edleren  Dasein  in  der  Brust
            
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