Die Entwicklung der StaatewisbenBcbaft bei den'Griechen.
279
gegen dieselben die gleichen Illusionen haben, die gleichen
Irrthümer begehen konnten. Das grosse aber, das acht hellenische
ist, dass sie dennoch beide ihrem Wesen gleichartig, der Ausdruck
derselben Idee sind. Und da wir wissen, dass jeder
unserer Leser die Einzelheiten dieser Verfassungen ohnehin
vollkommen kennt, so wird es unsere Aufgabe sein, in dem
Unterschiede der Gesetzgebungen die Unterschiede der Zeiten
und Länder festzustellen, für die sie gegeben wurden.
Zu dem Ende unterscheiden wir die eigentlichen Gesetzgeber,
den Lykurg und den Solon. Was wir aber von ihnen
zu sagen haben, wird sich wesentlich auf die Verhältnisse des
Besitzes zu demjenigen beziehen, was man ihre Verfassungen
zu nennen gewöhnt ist.
VIII.
Wirft man nämlich einen Blick zurück auf die Darstellung
der Zustände unter dem Königthum in seinem Gegensätze zur
Umgestaltung der alten Geschlechterordnung, so werden jedem
in den öffentlichen Verhältnissen jener Zeit Bewanderten vor
Allem gewisse Dinge klar sein. Einerseits war es unmöglich
das ursprüngliche Königthum wieder herzustellen, und zwar
nicht bloss weil der Hellene desselben nicht bedurfte um seinen
Staat in Liebe und Gehorsam als das Höchste zu verehren,
sondern praktisch, weil dm bereits um die Herrschaft kämpfende
Classe der Grundherren durchaus nicht gesonnen war, die
Grundbesitzungen, die sie durch den Fall desselben gewonnen,
durch ein neues Königthum gefährden zu lassen. Andererseits
konnte aber doch die neue staatliche Bildung der Einheit nicht
entbehren, welche allein den Staat über die Sonderinteressen
zu erheben vermochte. Diese Einheit aber in die Majorität,
das ist in die einfache ununterschiedene Gesammtheit zurückzuwerfen
und damit die mächtigen Unterschiede einfach zu
negiren, welche schliesslich doch unabweisbar durch den Besitz
und seine Vertheilung unter den Geschlechtern als unverkennbare
Thatsachen dastanden, wäre ein geringer Beweis für ihr
Verständniss öffentlicher Dinge gewesen. Wiederum aber die
freien Griechen einer solchen staatlichen Einheit zu unterwerfen,
der sie ohne Macht gegenüber standen, war der tiefste