dieser Gesetze, als Inhalt jeder öffentlichen Bildung' gefordert
werden möchte.
In jedem Falle aber glauben wir nun, dass man wenig
widersprechen wird, wenn wir demgemäss sagen, dass die
Epoche der Tyrannis in Griechenland, wie sie zwischen Lykurg
und Solon geherrscht hat, nicht etwas gerade dem griechischen
Leben Eigenthümliches gewesen sei. Hier ist Griechenland wie
ein anderes Volk. Das wodurch es gerade in seiner Verfassung
ein unsterbliches Muster geworden, ist ein wesentlich anderes
und höheres.
Und jetzt betreten wir auf der Grundlage unserer Auffassung
vom Staate, einen neuen Boden in Philosophie und
Geschichte.
VII.
Allerdings nämlich wird man stets den Satz festhalten,
dass jede Gemeinschaft eben jener absoluten Thatsache und
Gewalt des persönlichen Staats und seiner Idee bedarf und dass
sie denselben deshalb selbst in der Gewalt der Einzelherrschaft
sucht, wenn sie ihn nicht anderswo zu finden vermag. Allein
dieser Staat ist denn doch ein geistiges Wesen; ich kann ihn
sinnlich nicht erkennen, so wenig wie ich überhaupt die Einheit
eines Organismus sinnlich walmiehmcn kann. Ist er aber
das, so kann ich sein Dasein, seine Nothwendigkeit, ja selbst
seine Idee auch in dem Geiste des Einzelnen erzeugen und
finden, welche ihm angehören. Alsdann empfängt er ein zweites,
höheres, ja eigentlich sein wahres Leben. Er wird dann der
Inhalt des Bewusstseins jedes Staatsbürgers; er ist in jedem
Einzelwillen selbständig und lebendig da; erwirkt, die Einheit
Aller von Allen fordernd, in Allem was der Einzelne will und
thut; er ist die bewegende Kraft der Ordnung für Alles was
von Allen geschieht; er bedarf als solcher keiner äusseren Gewalt,
denn seine Stärke ist der Wille, seine Ordnung ist der
Gehorsam, seine That ist der Dienst jedes Bürgers; er lebt
in dem Bewusstsein seines Volkes und seine Idee erfüllt sich
mit der freien Hingabe freier Männer an ihn und seine Forderungen.
Das ist der Staat der wahren Freiheit, dessen unerschütterliche
Heimat die Brust und die Kraft des freien Mannes