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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 93. Band, (Jahrgang 1879)

dieser  Gesetze,  als  Inhalt  jeder  öffentlichen  Bildung'  gefordert
werden  möchte.
In  jedem  Falle  aber  glauben  wir  nun,  dass  man  wenig
widersprechen  wird,  wenn  wir  demgemäss  sagen,  dass  die
Epoche  der  Tyrannis  in  Griechenland,  wie  sie  zwischen  Lykurg
und  Solon  geherrscht  hat,  nicht  etwas  gerade  dem  griechischen
Leben  Eigenthümliches  gewesen  sei.  Hier  ist  Griechenland  wie
ein  anderes  Volk.  Das  wodurch  es  gerade  in  seiner  Verfassung
ein  unsterbliches  Muster  geworden,  ist  ein  wesentlich  anderes
und  höheres.
Und  jetzt  betreten  wir  auf  der  Grundlage  unserer  Auffassung ­
  vom  Staate,  einen  neuen  Boden  in  Philosophie  und
Geschichte.
VII.
Allerdings  nämlich  wird  man  stets  den  Satz  festhalten,
dass  jede  Gemeinschaft  eben  jener  absoluten  Thatsache  und
Gewalt  des  persönlichen  Staats  und  seiner  Idee  bedarf  und  dass
sie  denselben  deshalb  selbst  in  der  Gewalt  der  Einzelherrschaft
sucht,  wenn  sie  ihn  nicht  anderswo  zu  finden  vermag.  Allein
dieser  Staat  ist  denn  doch  ein  geistiges  Wesen;  ich  kann  ihn
sinnlich  nicht  erkennen,  so  wenig  wie  ich  überhaupt  die  Einheit ­
  eines  Organismus  sinnlich  walmiehmcn  kann.  Ist  er  aber
das,  so  kann  ich  sein  Dasein,  seine  Nothwendigkeit,  ja  selbst
seine  Idee  auch  in  dem  Geiste  des  Einzelnen  erzeugen  und
finden,  welche  ihm  angehören.  Alsdann  empfängt  er  ein  zweites,
höheres,  ja  eigentlich  sein  wahres  Leben.  Er  wird  dann  der
Inhalt  des  Bewusstseins  jedes  Staatsbürgers;  er  ist  in  jedem
Einzelwillen  selbständig  und  lebendig  da;  erwirkt,  die  Einheit
Aller  von  Allen  fordernd,  in  Allem  was  der  Einzelne  will  und
thut;  er  ist  die  bewegende  Kraft  der  Ordnung  für  Alles  was
von  Allen  geschieht;  er  bedarf  als  solcher  keiner  äusseren  Gewalt, ­
  denn  seine  Stärke  ist  der  Wille,  seine  Ordnung  ist  der
Gehorsam,  seine  That  ist  der  Dienst  jedes  Bürgers;  er  lebt
in  dem  Bewusstsein  seines  Volkes  und  seine  Idee  erfüllt  sich
mit  der  freien  Hingabe  freier  Männer  an  ihn  und  seine  Forderungen. ­
  Das  ist  der  Staat  der  wahren  Freiheit,  dessen  unerschütterliche ­
  Heimat  die  Brust  und  die  Kraft  des  freien  Mannes
            
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