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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 93. Band, (Jahrgang 1879)

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Stein.

hat.  Die  Wissenschaft  des  Staats  und  der  Gesellschaft  aber
lehrt  uns  das  eigentliche  Wesen  dieser  Erscheinung  in  einem
Satze  zusammenfassen,  den  wir  als  eines  der  Grundgesetze  der
Bewegung  des  Staatsrechts  Achtung  anerkennen  müssen.  Wo
immer  ein  gesellschaftlicher  Glasselakämpf  ausbricht,  da  entsteht ­
  die  Dictatur;  wo  dieser  Classenkampf  beginnt,  beginnen
dictatorische  Gewalten;  wo  aber  durch  den  Classenkampf  Eigonthum ­
  und  Besitz  erschüttert  werden,  da  ist  sie  eine  absolute,
organische  Erscheinung,  denn  dann  ist  es  nicht  mehr  bloss  der
Bürger,  sondern  es  sind  vielmehr  die  organischen  Gesetze  des
Lebens  der  wirthschaftlichen  und  gesellschaftlichen  Güter,
welche  jetzt  der  höchsten  Allgewalt  des  Staats  nicht  mehr
entbehren  können.
Es  ist  daher  nicht  wunderbar,  sondern  es  ist  eine  durchaus ­
  organische  Thatsache,  nicht  bloss  dass  Sulla  und  August
nach  den  Classenkämpfen  in  Rom,  oder  Cromwell  nach  den
englischen,  oder  Napoleon  I.,  wie  Napoleon  III.  nach  den  französischen ­
  Classenkämpfen  die  Dictatur  der  Staatsgewalt  in  die
Hand  nahmen,  sondern  dass  ganz  nach  demselben  Gesetze
auch  in  Griechenland  während  der  beiden  Jahrhunderte,  wo
die  alte  Gesellschaftsordnung  mit  ihren  Besitzverhältnissen  aufgelöst ­
  und  die  neue  noch  nicht  entstanden  war,  sich  innerhalb
jedes  Landesgebietes  Dictatoren  bildeten,  nur  dass  die  Griechen
sie  Tyrannen  nannten.  Ganz  entsprechend  erscheinen  da,  wo
die  Besitzverhältnisse  zwar  bedroht,  aber  nicht  erschüttert  sind,
wie  in  Achaja,  Elis,  Argos,  keine  Tyrannen;  das  sind  die  geschichtslosen ­
  Länder.  Aber  so  viel  wir  sehen,  ist  allenthalben
wo  jene  früher  charakterisirten  Bewegungen  sich  Bahn  brachen,
das  Zeitalter  der  Tyrannen  eingetreten,  über  welche  Aristoteles
als  einer  bestimmten  Kategorie  der  Verfassung  redet,  von
welchen  er  zwar  weiss  wodurch  sie  untergehen,  nicht  aber
wodurch  sie  eigentlich  entstanden  sind.
Nun  hat  es  gewiss  einen  grossen  historischen  Werth,  die
Geschichte  dieser  Tyrannis  im  Einzelnen  zu  verfolgen.  Aber
es  liegt  etwas  in  der  Natur  derselben,  weshalb  sie  nur  wenig
zur  Geschichte  der  Entstehung  der  Staats  Wissenschaft  beitragen.
Denn  der  Tyrann  kann  auch  wollend  keine  freie  Gesetzgebung ­
  zulassen.  Er  kann  es  genau  aus  demselben  Grunde
nicht,  welcher  eben  die  Tyrannei  erzeugt  und  sie  selber
            
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