Die Entwicklung der Staatswissenschaft hei den Griechen.
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Revolution wie das ,königliche Volk' Kant’s gehören nicht dem
vorigen Jahrhundert und nicht dem verfassungsmässigen Staatsrecht
unserer Zeit, sondern auch diese Worte und Begriffe sind
Eigenthum jener Griechen, welche im tiefen Unterschiede von
der germanischen Welt die Freiheit nicht aus der Unfreiheit,
sondern aus der Freiheit heraus verstanden. Bei ihnen ist die
Furcht vor der Gottheit zur Achtung vor dem Gesetze geworden,
und wir haben hunderte von Jahren und Philosophen gebraucht
um dialektisch wiederzulinden, was den Griechen als Angebinde
ihrer Geschichte in die Wiege ihres öffentlichen Bewusstseins
und ihrer Staatenbildung gelegt war.
Aber neben dieser Ehrfurcht vor dem Gesetze der ein
Sokrates sein Leben opferte, stand ein zweiter nicht minder
erhabener Factor ihrer Gemeinschaft. Das war ein tiefes, durch
kein Glück und kein Unglück ausrottbares Gefühl für das
Edle, für die höchste Berechtigung alles Schönen und Grossen,
für die Ehre, die in der herrlichen That, und für den Ruhm,
der in dem Streben nach dem Besten liegt. Das Wort mit dom
sie diese ihre schönste Eigenschaft benannten war die ,Tugend',
und die Aufgabe in die Kraft jedes Einzelnen dieser Tugend
sich bewusst zu sein und sie zu verwirklichen, nannten sie
das ,Ethos'. Auch diese Worte und Begriffe verdankt die
Weltgeschichte den Griechen; der Orient kennt Glauben, Hingebung
und Gehorsam, aber von Tugend und Ethos ist weder
in der Bibel noch in andern Werken die Rede. Das Gefühl
dieser Tugenden verarbeiteten sie dann zum Wissen des Ethos,
jeder ihrer Philosophen wieder in seiner Weise und ebenfalls
dasselbe sagend und wollend, und von diesem Wissen aus
gelangten sie zu der Vorstellung vom Idealen im Einzelleben
wie im Staate. Die Anwendung desselben aber, als die Gesammtheit
aller ihrer Erscheinungen und Bethätigungen im
gemeinschaftlichen Leben, war ihnen dann die Gerechtigkeit,
die §iz.ai056vY). Der avrjp Slxaio? ist nicht ein gerechter Mann vor
dem Herrn, sondern ein gerechter Mann vor den Forderungen
der grossen Cardinaltugenden und ihres Ethos; und wenn auch
laugsam so werden doch fast unwiderstehlich Begriff und Lehre
dieser Ethik zu einer selbständigen Wissenschaft, die von Aristoteles
aus mit all’ ihren Vorzügen und Mängeln Jahrtausende
die Welt beherrscht hat. Aber einmal im abstracten Gedanken