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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 93. Band, (Jahrgang 1879)

Die  Entwicklung  der  Staatswissenschaft  hei  den  Griechen.

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Revolution  wie  das  ,königliche  Volk'  Kant’s  gehören  nicht  dem
vorigen  Jahrhundert  und  nicht  dem  verfassungsmässigen  Staatsrecht ­
  unserer  Zeit,  sondern  auch  diese  Worte  und  Begriffe  sind
Eigenthum  jener  Griechen,  welche  im  tiefen  Unterschiede  von
der  germanischen  Welt  die  Freiheit  nicht  aus  der  Unfreiheit,
sondern  aus  der  Freiheit  heraus  verstanden.  Bei  ihnen  ist  die
Furcht  vor  der  Gottheit  zur  Achtung  vor  dem  Gesetze  geworden,
und  wir  haben  hunderte  von  Jahren  und  Philosophen  gebraucht
um  dialektisch  wiederzulinden,  was  den  Griechen  als  Angebinde
ihrer  Geschichte  in  die  Wiege  ihres  öffentlichen  Bewusstseins
und  ihrer  Staatenbildung  gelegt  war.
Aber  neben  dieser  Ehrfurcht  vor  dem  Gesetze  der  ein
Sokrates  sein  Leben  opferte,  stand  ein  zweiter  nicht  minder
erhabener  Factor  ihrer  Gemeinschaft.  Das  war  ein  tiefes,  durch
kein  Glück  und  kein  Unglück  ausrottbares  Gefühl  für  das
Edle,  für  die  höchste  Berechtigung  alles  Schönen  und  Grossen,
für  die  Ehre,  die  in  der  herrlichen  That,  und  für  den  Ruhm,
der  in  dem  Streben  nach  dem  Besten  liegt.  Das  Wort  mit  dom
sie  diese  ihre  schönste  Eigenschaft  benannten  war  die  ,Tugend',
und  die  Aufgabe  in  die  Kraft  jedes  Einzelnen  dieser  Tugend
sich  bewusst  zu  sein  und  sie  zu  verwirklichen,  nannten  sie
das  ,Ethos'.  Auch  diese  Worte  und  Begriffe  verdankt  die
Weltgeschichte  den  Griechen;  der  Orient  kennt  Glauben,  Hingebung ­
  und  Gehorsam,  aber  von  Tugend  und  Ethos  ist  weder
in  der  Bibel  noch  in  andern  Werken  die  Rede.  Das  Gefühl
dieser  Tugenden  verarbeiteten  sie  dann  zum  Wissen  des  Ethos,
jeder  ihrer  Philosophen  wieder  in  seiner  Weise  und  ebenfalls
dasselbe  sagend  und  wollend,  und  von  diesem  Wissen  aus
gelangten  sie  zu  der  Vorstellung  vom  Idealen  im  Einzelleben
wie  im  Staate.  Die  Anwendung  desselben  aber,  als  die  Gesammtheit
  aller  ihrer  Erscheinungen  und  Bethätigungen  im
gemeinschaftlichen  Leben,  war  ihnen  dann  die  Gerechtigkeit,
die  §iz.ai056vY).  Der  avrjp  Slxaio?  ist  nicht  ein  gerechter  Mann  vor
dem  Herrn,  sondern  ein  gerechter  Mann  vor  den  Forderungen
der  grossen  Cardinaltugenden  und  ihres  Ethos;  und  wenn  auch
laugsam  so  werden  doch  fast  unwiderstehlich  Begriff  und  Lehre
dieser  Ethik  zu  einer  selbständigen  Wissenschaft,  die  von  Aristoteles ­
  aus  mit  all’  ihren  Vorzügen  und  Mängeln  Jahrtausende
die  Welt  beherrscht  hat.  Aber  einmal  im  abstracten  Gedanken
            
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