Die Entwicklung der Staatswissönscliaft bei den Grieclion.
233
vielmehr die geistige Kraft des Besten und Edelsten in uns, die
mit all den Verlockungen zur Unwahrheit und Ungerechtigkeit
den offenen mannhaften Kampf kämpfen soll, der des wahren
Mannes, des avvjp Saals?, allein würdig; ihr Ethos ist nicht
Frömmigkeit, sondern die That des Edlen um der Gerechtigkeit
willen; es ist nicht die Freiheit von fremder Herrschaft,
sondern die Erhebung über die »Herrschaft der Güter; es ist
nicht eine Ergebung in das himmlische, sondern die thatkräftigc
Verwirklichung in einer gesellschaftlichen irdischen Ordnung,
die vor ihren Augen durch jene rSkx>zpr l \].'j.v.c/. auf allen Punkten
in Blut und Geld zu Grunde ging, welche der delphische Gott
den Spartanern als ihren einzigen tödtlichen Feind gewahrsagt
hatte. Und darum predigten und wollten sie nicht so sehr die
technische Bildung und den Unterricht, in dem unsere Zeit zu
sehr die letzten Gründe des Wohlseins und der Entwicklung
des Volkes findet, und nicht Lehren der Weisheit und Tugend,
welche die gefahrlose Vollkommenheit als den Preis für ein
Leben hinstellen, das nie etwas verliert weil es nie etwas zu
wagen wagt, sondern sie wollten die Erziehung zum thatkräftigen
Ethos im Herzen des Menschen, die Anschauung, welche das Edle
als das wahre Gut hoch über jene wirthschaftlichcn und gesellschaftlichen
Güter zu erheben, die Kraft für dies Höchste zu
leben und wenn es sein muss zu sterben lehrt. Darum wird das
griechische Ethos aus dem sittlichen Begriff zum sittlichen
Charakter, und ihre [xoucav; ist keine stille Harmonie der Seelen,
sondern die Kraft zur harmonischen Arbeit, welche das Schöne
zugleich zu empfinden und zu vollbringen weiss. Und das
war es, weshalb sie die Kunst des Erwerbes so tief neben der
Kraft des Besitzes verachteten und niemals dahin gelangten,
der Thatsache des Reichthums in ihrer Wissenschaft dieselbe
Ehre zu erkennen, welche das wirkliche Leben ihr nur zu
reichlich spendet. Das war es eigentlich weshalb ihnen der
Erwerbssinn so gemein dünkte, dass er auch dem idealsten
unter Allen, dem sinnvollen Plato, nur dann als Tugend erschien,
wenn er im Dienste der Weisheit stehe, während der schärfste
ihrer Denker, Aristoteles, von jenem wahrhaft griechischen G efühl
fast unbewusst bezwungen, zugleich alle Menschen für
gleich erklärte, und dennoch auch nicht entfernt den Gewerbsmann,
den ßävaucroc, zum Bürger in seinem Staate zuliess. Es