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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 93. Band, (Jahrgang 1879)

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Stein.

das  Verschiedene  werde?  Wie  ist  es  möglich,  dass  das  Wirkliche ­
  nicht  dem  Begriffe,  das  Gewisse  nicht  dem  Wahren  entspreche? ­
  Es  scheint  vollkommen  klar,  dass  diese  Frage  eine
unabweisbare  ist;  aber  eben  so  klar  wird  es  wohl  sein,  dass
gerade  sie  weder  durch  die  Naturlehre  noch  durch  die  Philosophie ­
  allein  gelöst  werden  kann,  und  weder  im  Kennen  noch
im  Erkennen  enthalten  ist.  Und  doch  ist  sie  da;  und  weil
sie  ist  und  nicht  durch  jene  beantwortet  wird,  hört  man  wohl
von  Vielen  aus  der  Empfindung  dieses  Mangels  heraus  sagen,
dass  wir  überhaupt  ,nichts  wissen'.
Nun  sagen  wir,  dass  jede  bestimmte  Kraft  wie  der  sie
erfassende  Begriff  zwar  aus  der  allen  gemeinsamen  Urkraft
entwickelt,  aber  als  entwickelte  auch  selbständig  und  vermöge
ihrer  Selbständigkeit  auch  selbstthätig  sei.  Ist  das  der  Fall,
so  wird  damit  jede  selbständige  Kraft  zugleich  zum  Gegenstände
der  anderen,  und  das  ist  das  Bestimmtwerden  des  Einen  durch
das  Andere.  Wird  aber  jede  Kraft  durch  alle  anderen  bestimmt,
so  ist  damit  offenbar  zugleich  gesagt,  dass  gar  keine  Kraft
zur  reinen  nur  ihr  gehörigen  Erscheinung  gelangt,  sondern
dass  sie  in  ihrer  Wirklichkeit  stets  jenes  Bestimmtwerden
durch  die  andere  mit  enthält.  Ich  muss  daher  nothwendig  in
jeder  Erscheinung  die  Kraft  aus  der  sie  hervorgeht  von  derjenigen ­
  scheiden,  welche  auf  jene  einwirkt;  oder  wie  wir  nunmehr ­
  wohl  sagen  dürfen,  ich  kann  überhaupt  gar  keine  Erscheinung ­
  bloss  durch  ihre  eigene  Einzelkraft,  oder  durch  ihren
einfachen  Begriff  begreifen.  Sondern  alles  wirklich  Seiende  ist
ein  Ergebniss  des  Zusammenwirkens  verschiedener  Kräfte  in
derselben  Erscheinung.  Nun  nenne  ich  diejenige  Kraft,  welche
die  Erscheinung  der  anderen  Kraft  bestimmt  und  sie  durch
ihre  Gewalt  ändert,  die  Ursache  der  Besonderheit  in  der  Erscheinung ­
  oder  Thatsache,  welche  ohne  jene  zweite  Kraft  stets
dieselbe  bleiben  würde;  die  für  sich  gedachte  Modification  der
Erscheinung  der  ursprünglichen  Kraft  aber,  heisst  die  Wirkung.
Da  nun  alle  Kräfte  selbständig  gewordene  Momente  in  der
Urkraft  oder  jenem  ,Grunde'  aller  Dinge  sind,  so  ist  für  die
wirkliche  Besonderheit  der  Erscheinungen  oder  Thatsachen
jede  Kraft  eine  Ursache,  sei  es  in  der  Natur,  sei  es  im  Leben,
und  jede  Thatsache  wiederum  eine  Einheit  von  Wirkungen
oft  sehr  verschiedener  Kräfte  oder  Ursachen.  Ist  dem  nun  aber
            
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