Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 92. Band, (Jahrgang 1878)

490

Mühlbache  r.

dem  ersten  italienischen  Zuge  mit  Actum  und  Ortsangabe  versehen ­
  ist;  von  geringerem  Belang  ist,  dass  Inquirins  Recognition
  erst  seit  März  878  nachweisbar  ist.  Diese.  Bedenken
mehrt  der  Text;  die  Immunitätsformel  zeigt  eine  von  allen
anderen  Urkunden  abweichende  und  fremdartige  Gestalt.  Auch
die  äusseren  Merkmale  scheinen  geeignet  diesen  Verdacht  zu
bestärken;  das  Diplom  trägt  ein  Königssiegel,  das  von  dem
bisher  bekannten  verschieden  nach  dem  bis  jetzt  vorliegenden
Material  sich  nicht  anderweitig  nachweisen  lässt;  die  Schrift
bietet  charakteristische  Eigenthümlichkeiten,  die  der  Kanzlei
Karls  IIL  fremd  sind. 1
So  erschwerend  diese  Verdachtsgründe  zu  sein  scheinen,
so  treten  ihnen  doch  Momente  gegenüber,  welche  die  Echtheit
der  Urkunde  ausser  Frage  stellen.  Zunächst  die  ganze  Fassung
der  Urkunde;  scharf  ausgeprägt  und  charakteristisch  ist  sie  nur
in  den  ersten  Jahren  Karls  in  Gebrauch  und  führt  allem  Anscheine ­
  nach  auf  einen  bestimmten  Dictator,  vielleicht  Liutward
selbst  zurück;  alle  Privilegienbestätigungen  der  Jahre  877  und
878,  für  Murbach,  St.  Gallen  und  Reichenau  tragen  ihr  Gepräge; ­
  die  andere  charakteristische  Eigenthümlichkeit  dieses
Dictats  ist  in  der  überwiegenden  Anzahl  der  übrigen  Urkunden

1  Der  Mittheilung,  welche  ich  der  freundlichen  Güte  von  Herrn
Dr.  Wartmann  verdanke,  entnehme  ich,  dass  keine  der  zahlreichen
St.  Galler  Urkunden  Karls  III.  von  demselben  Schreiber  geschrieben
sein  kann.  ,An  der  Schrift  ist  dreierlei  auffallend.  Erstens  die  schon
stark  gebrochenen  verlängerten  Buchstaben  (Oberschäfte);  diese  erscheinen
sonst  erst  in  den  späteren  Urkunden  Arnolfs  und  ganz  besonders  in  den
Urkunden  Konrads.  Zweitens  die  Form  der  p,  bei  denen  der  in  die
Höhe  gehende  Strich  ganz  eigentümlich  an  die  untere  Stange  ansetzt.
Vollständig  entsprechend  erscheint  indess  diese  Form  vereinzelt  doch
auch  in  der  letzten  Urkunde  Karls  für  St.  Gallen  (nr.  166).  Drittens  die
Form  von  einzelnen  —  aber  wirklich  nur  einzelnen  —  o,  die  ohne  jedes
Verständniss  der  Grundform  dieses  Buchstabens  gemacht  scheinen  und
an  sich  unzweifelhaft  zu  der  Vermutung  berechtigen  würden,  dass  sie
aus  der  Hand  eines  ungeschickten  Nachahmers  stammen.  Allein  da  diese
vereinzelten  Missformen  neben  der  regelmässigen  Form  der  Zahl  nach
kaum  in  Betracht  fallen  —  es  sind  kaum  ein  halbes  Dutzend  in  dem
ganzen  Stücke  —  und  das  einzige  paläographische  Moment  sind,  das
einen  Verdacht  rechtfertigen  würde,  kann  ich  ihm  keine  weitere  Bedeutung ­
  beilegen/
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.