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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 92. Band, (Jahrgang 1878)

Die  Urkunden  Karls  III.

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sonst  häufig  durch  hoc  est  eingeleitet, 1  die  Pertinenzformel  zeigt
in  den  Worten  cum  .  .  servis  et  ancülis  olivetis  .  .  portibus
navigationibus  .  .  ficubus  pastibus  et  semper  in  tercio  anno  precaviis
  .  .  italienische  Elemente,  welche  den  Reichenauer  Urkunden ­
  ganz  fremd  waren  und  dort  in  ihrer  richtigen  Formulirung
  kaum  erfunden  werden  konnten.  Noch  ein  anderer
Italianismus  fratres  Augiae  monasterii  obedienti  iussione  .  .  obtulerunt
  macht  sich  bemerklich.  Das  Chrismon  ist  jenem  Inquirins ­
  ganz  unähnlich  und  unbeholfen,  das  Siegel  scheint  echt
zu  sein.  Ueber  die  Schrift  der  Urkunde  bemerkt  K.  Pertz, 2
dass  sie  auffallend  steif  und  scharfeckig  und  dass  das  a  an
die  langobardische  Form  erinnere;  er  knüpft  daran  die  Frage,
ob  die  Urkunde  vielleicht  von  einem  italienischen  Schreiber
geschrieben  sei.  Für  die  Richtigkeit  dieser  Vermuthung
sprechen  die  Italianismen;  dieser  Umstand  würde  aber  auch
die  Unregelmässigkeiten  und  Abweichungen  zur  Genüge  erklären. ­
  Noch  weniger  lässt  sich  sachlich  etwas  gegen  die  Urkunde
einwenden;  Reichenau  besass  nachweislich  Besitzungen  an  dem
ersten  der  genannten  Orte  —  ,in  Trernctis',  jetzt  Tremezzo  am
Corner  See  —  und  führte  über  die  Zugehörigkeit  von  sechs
Mansen  langen  Streit  mit  S.  Ambrogio,  in  dem  diese  unter
Karl  III.  dem  letzteren  Kloster,  von  Königsboten  Arnolfs  Reichenau, ­
  unter  Lambert  aber  wieder  S.  Ambrogio  gerichtlich
zugesprochen  wurden. 3  Einen  Besitztitel  für  Italien  zu  fälschen
fühlte  man  sich  in  Reichenau  doch  kaum  veranlasst.  Von  der
Schenkung  Karlmanns  findet  sich  keine  weitere  Spur.  Möglich
dass  die  Originalität  der  Urkunde  Karls  III.  in  Frage  steht,
die  Echtheit  des  Inhalts  dürfte  gesichert  sein.
Berechtigteren  Verdacht  erregt  eine  zweite  Reichenauer
Urkunde, 1  von  der  Dümge  erklärt,  dass  er  sie  nur  als  Probe
der  Fälschungen  dieses  Klosters  abdrucke.  Wenn  Karl  im
Titel  und  in  der  Signumzeile  —  die  Urkunde  datirt  von  883
—  noch  rex  genannt  wird,  während  es  und  noch  dazu  mit

1  Hoc  est  Orig.  nr.  G2,  76,  137,  Copie  nr.  13G;  id  ent  Orig.  nr.  41,  44,  61,
7ö,  129,  134,  Copie  lir.  2,  109,  113,  130,  155,  hii  sunt  Orig.  nr.  85.
2  In  seiner  Abschrift  im  alten  Apparat  (1er  M.  G.
3  Cod.  Langob.  502,  G13,  beide  Notitiae  aus  dem  Archiv  von  S.  Ambrogio.
4  nr.  95.
            
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