Die Urkunden Karls III.
475
Die einfachste Fälschung’ zeigt ein Diplom für Korvei; 1
die Zahl der vom Heerbann befreiten Leute viginti wurde
durch Rasur und Nachtragung, die sich durch schwärzere Tinte
kenntlich macht, auf triginta erhöht. Die nur in Copie des
14. Jahrhunderts überlieferte Besitzbestätigung für S. Ilario e
Benedetto ist unbeanstandbar; 2 am Schlüsse derselben ist vor
der Strafformel ein Satz eingeschoben, der Verdacht erregt,
in dem wahrscheinlich die Worte aut fodrurn tollant interpolirt
sind. 3
Umfangreichere Interpolationen zeigt die Urkunde für
S. Croce de Chi ent i bei Fermo. 4 Gedruckt nach einer
Copie von 1468 ist sie textlich vielfach verderbt; 5 die Formeln
des Grossen für Eberslieim K 225 ist echt die erste Zeile mit dem Eingangsprotokoll,
Recognition, Datirung und Siegel, dagegen der ganze
Text radirt und gefälscht, ln einer Urkunde Arnolfs ist nur Monogramm,
Datirungszeile und Siegel echt geblieben, Riezler in Löhers Arcli.
Zeitsehr. 1, 277.
1 Orig. nr. 165 vgl. Wilmans 200; die Begünstigung schon von Ludwig
dem Frommen ertheilt, Sickel, Acta 2, 364.
Wenn im Orig. nr. 76 nach Wattenbach (alter Apparat der M. G.)
unter den zur Nutzniessung angewiesenen Gütern ein Name radirt ist
und die Lücke unausgefüllt blieb, so kann nur eine Correctur der
Kanzlei vorliegen.
2 nr. 80; in iubenles igitur terribiliter precipimus ist terribiliter unwesentliche
Zuthat des Copisten.
■' Contradicimus etiam liomines supradictarum ecclesiarum terras inhabitantes
iudicialibus personis, ita ut de ipsis hominibus placitum nullum faciant
seu aliquid publici ab eis exigant aut fodrum tollant nullamque eis
violentiam inferant, sed in potestate praedicti abbatis permaneant. Eine
Emendation von fodrum in fredum, aus dem es in der Immunitätsformel
häufig verderbt wird, ist hier unthunlich, die Fassung contradicimus
liomines iudicialibus personis weist auf spätere Zeit, die Exemption von
der öffentlichen Gerichtsbarkeit sachlich und formell in anderer Gestalt
vgl. nr. 50, 52 f. Jener Satz wörtlich in der Urkunde Heinrich II. für
dieses Kloster, während er in jener Ottos II. fehlt, (Gloria) C. d. Padovano
118, 94, Stumpf nr. 1505, 785. Das fodrum übrigens in Aquilejer
Urkunden K 133, B. 535.
4 nr. 89 vgl. Stumpf nr. 463.
5 Bethmann vermochte keine handschriftliche Ueberlieferung aufzufinden
und musste sich begnügen den seltenen Druck Fioravanti, Diss. sopra
la basilica eretta nel territorio di S. Elpidio. Loretto 1770, 8° abzu-31*