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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 92. Band, (Jahrgang 1878)

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Mü  lilbaclier.

sich  diese  Arbeit  hauptsächlich  mit  der  formellen  Seite  der
Urkunden,  so  handelt  es  sich  hier  zunächst  nur  darum  die
gewonnenen  Ergebnisse  an  verdächtigen  Stücken  zu  verwerthen
und  darüber  Rechenschaft  zu  geben,  weshalb  ich  gewisse
Stücke  nicht  benützt,  in  anderer  Richtung  doch  wieder  herangezogen ­
  habe.  Es  ist  also  das  Formelle  der  Urkunden,  das
ich  in  erster  Linie  im  Auge  behalten  zu  müssen  meine;  das
Sachliche  kann  dabei  nicht  ganz  unberücksichtigt  bleiben,  hier
aber  wird  theilweise  der  Hinweis  auf  andere  Arbeiten  genügen.
Auch  davon  darf  ich  wohl  absehen,  wenn  diese  oder  jene  Urkunde ­
  aus  unzureichenden  Gründen  wie  etwa  wegen  Nichteinfügens ­
  in  das  Itinerar,  wegen  Widersprüche  in  der  Datirung
oder  wegen  vereinzelter  äusserer  Merkmale  beanstandet  wurde;
auf  solche  Bedenken  wurde  gelegentlich  verwiesen.
Dem  viel  gebrauchten  und  viel  missbrauchten  Worte  Fälschung ­
  gegenüber  war  die  strenge  Sichtung,  welche  Ficker
jüngsthin  vorgenommen, 1  im  vollsten  Rechte;  eine  wissenschaftliche ­
  Reaction,  die  den  Werth  der  vielfach  auf  subjectiver
Grundlage  ruhenden  Kriterien  richtig  stellte  und  der  Forschung
neue  Wege  wies,  war  zur  NothWendigkeit  geworden.  Seihst
die  äusseren  Merkmale  allein  können  nicht  immer  absolut  entscheiden, ­
 2  auch  den  inneren  Merkmalen  muss  man  eine  erhöhte
Bedeutung  zuerkennen.  In  seltenen  Fällen  nur  wird  aber  eine
Fälschung  ohne  jede  echte  Vorlage,  wenn  auch  gerade  nicht
aus  der  angeblichen  Kanzlei,  fabricirt  worden  sein;  es  tritt
daher  die  Aufgabe  heran  die  echten  Theile  auszuscheiden,  sie
bei  Arbeiten  über  einen  bestimmten  Zeitraum  auch  in  Stücken,
welche  für  eine  frühere  Zeit  adaptirt  wurden,  aufzusuchen.
Von  vorneherein  ist  wenigstens  wahrscheinlich,  dass  das  Protokoll ­
  nicht  verunechtet  wurde,  ausser  insofern  es  galt  die
Urkunde  für  einen  anderen  Herrscher,  für  eine  andere  Zeit
zurechtzulegen,  dass  man  auch  dann  nur  das  änderte,  was
diesem  nächsten  Zwecke  entsprach.  Die  Verunechtung  hatte
ihr  vorzüglichstes  Interesse  am  Texte  der  Urkunde. 3

1  Urkundenlehre  1,  5.
2  Sickel,  Kaiserurk.  7  vgl.  Ficker,  Urkundenlehre  1,  30.
3  Vgl.  Ficker,  Urkundenlehre  1,  IG.  Auf  einen  interessanten  Beleg  hat
Sickel,  Neues  Archiv  3,  657,  aufmerksam  gemacht;  in  der  Urkunde  Karls
            
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