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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 92. Band, (Jahrgang 1878)

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Die  Urkunden  Karls  III.  439
Brauch  übernahm  Karl  der  Kahle,  als  er  Kaiser  geworden; 1
der  Kanzlei  Karlmanns  blieb  Wort  und  Sache  vollkommen  fern.
In  den  Urkunden  Karls  III.  tritt  das  Wort  bulla  zuerst
881, 2  öfter  erst  seit  883  auf;  doch  es  beschränkt  sich  keineswegs ­
  nuf  die  Diplome  für  Italien,  es  wird  auch  in  Urkunden
für  Deutschland,  seltener  für  Westfrancien  verwendet,  bleibt
aber  gegenüber  dem  Ausdrucke  anulus  in  bedeutender  Minderzahl. ­
 3  Die  Formel  lautet  analog  der  früheren  entweder  bulla
nostra  insigniri  (sigillari,  signari)  iussimus  oder  bullae  nostrae
impressione  sigillari  (assignari,  adsigniri)  iussimus;  auch  hier
findet  sich  die  Partikel  subter.
Schon  Stumpf  und  Sickel  haben  betont, 4  dass  aus  dem
Ausdrucke  anulus  in  der  Corroborationsformel  noch  nicht  folge,
dass  die  Urkunde  auch  mit  einem  Wachssiegel  besiegelt  sein
müsse,  und  auf  das  St.  Graller  Original  für  Ruodpert 5  hingewiesen, ­
  dessen  eine  Ausfertigung  trotz  der  Ankündigung  anuli
impressione  assignari  iussimus  mit  einer  Bleibulle  versehen  sei,

Bullenschnur  an  den  Originalen  in  Parma  B.  626,  664,  666  —  668,  680;
angekiindigt  ist  die  Bulle  in  Orig.  B.  651  und  einer  Anzahl  Copien;
selbstverständlich  muss  deshalb  nicht  eine  Bulle  zur  Besieglung  verwendet ­
  worden  sein,  denn  selbst  nicht  die  Formel  des  Originals  ist  dafür
beweisend.
1  Vgl.  Stumpf,  Reichskanzler,  Einl.  116  A.  226,  B.  1806,  1807,  1809,  18,16,
Tardif  135  Orig,  in  Paris,  hier  die  bei  Tardif  fehlende  Formel  nach
G.  H.  Pertz  percussione  bullae  nostrae  insigniri  iussimus,  sonst  bullarum
nostrarum  impressionibus.  Das  Wort  bulla  übrigens  schon  vereinzelt  in
der  Königszeit  B.  1652,  1701,  1745,  1748,  1774  Orig.,  1778,  1786,  Tardif
132  Orig.,  Bouquet  8,  628.  Unter  Ludwig  dem  Stammler  bulla  nur  in  der
Fälschung  Mabillon,  Dipl.  549.
2  Copie  nr.  36.
3  bulla  nur  in  20  Urkunden,  von  denen  12  —  nr.  77,  96,  103,  107,
135,  136,  153,  154,  161—163,  166  —  für  Deutschland,  2  —  nr.  99,
131  Orig.,  —  für  Westfrancien;  von  den  22  Urkunden  tragen  14  die
Recognition  Inquirins.  Im  Orig.  nr.  82  ist  anulo  nostro  der  Vorurkunde
nr.  16  in  bulla  nostra  geändert,  ebenso  in  Copie  107  aus  der  Vorurkunde
Beyer  1,  77,  in  nr.  77  trotz  des  sonst  gleichen  Formulars  mit  nr.  75.  Ein
sachlicher  Unterscheidungsgrund  ist  kaum  aufzustellen;  dem  Inhalte  nach
sind  es  grösstentheils  Besitzurkunden,  nur  nr.  135,  166  sind  Privilegien,
nr.  153,  162  Besitzbestätigungen  mit  Immunität.
4  Reichskanzler,  Einl.  95  A.  153  vgl.  Wirzb.  Immun.  1,  44;  Urkundenlehre ­
  199.
5  nr.  41.
            
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