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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 92. Band, (Jahrgang 1878)

Die  Urkunden  Karls  III.

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führung  Liutberts  ausgefertigt,  aber  nach  der  früheren  Handlung ­
  datirt  wurden. 1
An  Liutwards  Stelle  trat  der  Mainzer  Erzbischof  Liutbert,
  der  schon  an  der  Spitze  der  Kanzlei  Ludwigs  des
Deutschen 2  und  Ludwigs  III.  gestanden  war.  Zu  dem  Hofe
Karls  III.  scheint  er  früher  nie  nähere  Beziehungen  gehabt
zu  haben, 3  hielt  aber  noch  treu  zum  Kaiser,  als  die  Empörung
schon  ausgebrochen  war;  er  übernahm  die  erfolglose  Vermittlerrolle ­
  und  versorgte  Karl  noch  mit  dem  nöthigen  Unterhalt, 4
um  sich  freilich  nach  dessen  Abdankung  ebenso  schnell  an
Arnolf  anzuschliessen. 5
In  Liutberts 0  Namen  sind  nur  sieben  Urkunden  recognoscirt,
  welche,  so  weit  ein  Tagesdatum  vorliegt,  den  Monaten
Juli  bis  September  887  angehören.  Mit  Liutbert  tritt  ein
neuer  Recognoscent,  Fredebold,  in  die  Kanzlei,  welcher  sogleich
den  Kanzlertitel  führt; 7  von  den  früheren  Recognoscenten  erscheint ­
  nur  mehr  Amalbert.  Es  blieben  die  alten  Normen  und
damit  auch  die  Individualität  der  Datirung  in  Kraft.
Noch  viel  dürftiger  sind  die  Nachrichten  über  das  niedere
Kanzleipersonal.  Sickel  stellte  die  sehr  ansprechende  Vermuthung
  auf, s  dass  die  Kanzleivorstände  für  Nachwuchs  in
den  heimischen  Klöstern  sorgten,  und  weist  darauf  hin,  dass
das  Personal  der  Kanzlei  Karls  III.  aus  alamannischen  Klöstern,
darunter  auch  St.  Gallen,  sich  recrutirt  habe.  So  wahrscheinlich
diese  Annahme  ist,  ebenso  schwer  ist  es  auch  bei  der  Dürftigkeit ­
  des  geschichtlichen  Materials  dafür  den  Beweis  zu  liefern. 0
Dass  mit  Salomon  ein  Schüler  St.  Gallens  in  die  Kanzlei

1  Vgl.  Ficker,  Beitr.  zur  Urkundenlehre  2,  1G6.
2  Seit  870,  Wilmans  ICaiserurk.  167.
3  Er  erscheint  nur  882,  also  unmittelbar  nach  Karls  Regierungsantritt  im
Theilreiche  Ludwigs  III.  zweimal  als  Intervenient,  nr.  65,  66,  und  vielleicht ­
  noch  883  —  datirt  von  887  —  in  nr.  155.
4  Ann.  Fuld.  887  p.  IV,  Regino  887.
5  Mohr  1,  51,  irrig  zu  888.
0  Der  Name  ist  nur  in  den  Orig.  nr.  172,  177  Liulpertua,  sonst  Liutbertus
geschrieben.
7  Orig.  nr.  173,  174.
8  Ueber  Kaiserurkunden  in  der  Schweiz  5.
9  Diesen  kann  erst  die  Schriftvergleicliung  nach  Constatirung  der  Schreibschulen ­
  erbringen.
            
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