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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 92. Band, (Jahrgang 1878)

Die  Urkunden  Karls  III.

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des  Ehebruchs  mit  der  Kaiserin  zieh, 1  kam  887  auf  dem
Reichstag  von  Kirchen  zum  Ausbruch;  er  wurde  seiner  Würden
entsetzt  und  schimpflich  vom  Hofe  vertrieben. 2  Mochte  der
Kaiser  auch  bald  die  ihm  aufgezwungene  Massregel  bereuen, 3
so  rächte  sie  sich  doch  an  ihm;  Liutward  ging-  zu  Arnolf,  um
ihn  zur  Entthronung  seines  Oheims  aufzustacheln. 4
Von  878  bis  Juni  887  sind  fast  alle  Urkunden  ad  vicem
Liutwardi  recognoscirt.  Welchen  Einfluss  Liutward  auf  die
Kanzleigeschäfte  genommen,  darüber  fehlt  jede  directe  Nachricht. ­
  Die  Leitung  kann  keine  sehr  stramme  gewesen  sein,
denn  es  macht  sich  die  weitgehendste  individuelle  Willkür
geltend.  Ebensowenig  lässt  sich  mit  Bestimmtheit  sagen,  ob
auch  in  seiner  Abwesenheit  in  seinem  Namen  recognoscirt
wurde,  wie  dies  anderweitig  schon  früher  nachweisbar  ist. 5
Fällt  die  Sendung  nach  Italien  882  unmittelbar  nach  den
Feldzug  gegen  die  Normannen,  so  bietet  der  Zwischenraum
zwischen  den  Urkunden  nr.  61  und  62,  Juli  bis  September,
Zeit  genug  für  diese  Fahrt.  Die  Gesandtschaft  nach  Rom
konnte  886  auch  erst  nach  dem  10.  Jänner  angetreten  worden
sein;  bemerkenswerth  ist  indess,  dass  die  beiden  Urkunden  für
Passau  nr.  153,  154,  deren  Actum  nur  dem  Jahre  886  angehören ­
  kann,  Jahresdaten  tragen,  welche  sie  dem  folgenden
Jahre  zuweisen,  die  also  auf  spätere  Ausfertigung  schliessen
lassen.  Wenn  endlich  Orig.  nr.  26  von  einem  nur  diesmal
auftretenden  '  Recognoscenten  ganz  ausnahmsweise  ad  vicem  Ernusti
  cancellarii  gefertigt  wird,  so  dürfte  dies  die  Vermuthung
nahe  legen,  dass  Ernust  hier  die  Stelle  des  abwesenden  Erzkanzlers ­
  vertrat.
In  der  ganzen  Amtszeit  Liutwards  sind  ausserdem  nur
noch  zwei  Urkunden  nicht  in  dessen  Namen  recognoscirt.

1  Ann.  Fuld.  887  p.  IV,  Regino  887.  Ueber  das  Zerwiirfniss  Berengars
mit  Liutward  Dümmler,  Ostfränk.  Reich  2,  276.
2  Emn  in  praesentia  imperatoris  omni  Iionore  privatum  abire  compellunt.
Ann.  Fuld.  887  p.  V  vgl.  Regino  887.
3  In  der  Restitution  für  Liutwards  Neffen  Adalbert  nr.  177  heisst  es:  qualiter
  nos  quibusdam  exortis  occasionibus  Liutwardo  episcopo  paulolum
commoti  honores  abstulimus.
4  Ann.  Fuld.  887  p.  IV.
5  Sickel,  Urkundenlehre  95.
            
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