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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 92. Band, (Jahrgang 1878)

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Mühlbache  r.

bildet,  so  auch,  dass  es  eine  Urkunde  durchaus  nicht  verdächtigt, ­
  wenn  in  derselben  statt  des  ,höheren'  Titels  der  geringere ­
  auftritt.  Für  die  Kanzlei  Karls  III.  sind  die  Fälle
viel  zu  häufig,  als  dass  an  Versehen  gedacht  werden  könnte.
Welche  Rangstufe  die  beiden  Kanzler  zu  einander  eingenommen,
darüber  Hessen  sich  höchstens  Vermuthungen  aufstellen.  Als
ganz  bestimmt  ergibt  sich  aber,  dass  ihnen  so  wenig  als  einem
der  übrigen  Recognoscenten  ein  territorialer  Amtskreis  zugewiesen ­
  war. L  Die  Kanzlei  war  wie  bisher  eine  einheitliche
und  sie  blieb  es  auch,  eine  vorübergehende  Trennung  in  eine
deutsche  und  lothringische  Kanzlei  ausgenommen, 2  während
der  ganzen  Karolingerzeit.
Der  Gontinuität  des  Kanzleiwesens  entspricht  es,  dass  in
der  Regel  sich  auch  das  Kanzleipersonal  auf  den  Nachfolger
vererbte. 3  So  diente  der  Kanzleichef  Ludwigs  11.  Dructemir,
sowie  jener  Lothars  II.  Ercambokl  sammt  den  Notaren  Ilrodrnund
  und  Daniel  in  der  Kanzlei  Lothars  I.,  jener  Ludwigs
des  Stammlers  Gauzlen  in  der  Karls  des  Kahlen.  Dasselbe  ist
auch  Karlmann  ausgenommen,  in  dessen  Urkunden  gleichfalls
neue  Namen  auftreten,  bei  den  Söhnen  Ludwigs  des  Deutschen
der  Fall.  An  der  Spitze  der  Kanzlei  Ludwigs  III.  bleibt  der
Erzeaplan  Liutbert,  die  Leitung  jener  Karls  III.  übernimmt
zunächst  Witgar.
Witgar  hatte  858—860  die  Kanzlei  Ludwigs  des  Deutschen
geleitet; 4  um  diese  Zeit  wurde  er  auf  den  Bischofstuhl  von  Augsburg ­
  erhoben. 5  Als  Erzkaplan  wurde  er  auch  Vorstand  der

1  So  recognosciren  Ernust,  Inquirin,  Waldo  ohne  Unterschied  für  Deutschland ­
  und  Italien,  Inquirin  und  Salomon  auch  für  Lothringen,  Amalbert
für  Deutschland,  Italien,  Westfraneien.  Dieselbe  Erscheinung  unter
Lothar  I.,  Wiener  Sitzungsber.  85,  507  A.  6.
2  Unter  Ludwig  dem  Kind  und  theilweise  auch  unter  Karl  dem  Einfältigen
vgl.  B.  1941,  1949,  1962.  Auf  die  Zweitheilung  der  Kanzlei  in  eine  italienische ­
  und  burgundische  unter  Kaiser  Ludwig  III.  hat  schon  Stumpf,
Wirzb.  Immun.  1,  33  A.  56,  aufmerksam  gemacht.
3  Unter  Lothar  I.  und  Zwentibold  treten  jedoch  ganz  neue  Namen  auf;
möglich  dass  der  erste  840  zwei  Persönlichkeiten  aus  der  Kanzlei  Ludwigs ­
  des  Frommen  übernahm.  Wiener  Sitzungsber.  85,  507  A.  4.
4  B.  786—796.
5  Dümmler,  Ostfränk.  Reich  1,  873.
            
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