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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 92. Band, (Jahrgang 1878)

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Mülilbaciier.

Als  nach  dem  Sturze  Liutwards  Liutbert  von  Mainz  zur  Leitung
der  Kanzlei  berufen  wurde,  ward  er  allem  Anscheine  nach
auch  zum  Erzcaplan  ernannt;  führt  er  auch  zunächst  noch
den  Titel  archicancellarius  fort,  so  wird  doch  in  den  beiden
letzten  Urkunden  der  alte  Titel  archicappellanus  wieder  in  seine
Rechte  eingesetzt. 1  Noch  hatte  sich  aber  die  Wandlung  nicht
vollzogen,  welche  aus  den  Theilreichen  sich  herausbildend  unter
Arnolf  für  das  ganze  Reich  zur  Geltung  gelangt,  dass  das
Erzcaplanat  und  damit  die  wenn  auch  theilweise  nur  nominelle
Leitung  der  Kanzlei  an  einen  bestimmten  Bischofsitz  gebunden
ist;  noch  werden  die  beiden  Aemter  an  eine  dem  Kaiser  genehme ­
  Persönlichkeit  übertragen.
Mit  den  Theilreichen  mehren  sich  auch  die  Titulaturen
des  Kanzleipersonals. 2  Den  Reigen  führt  Italien.  Für  die
Recognoscenten  kennt  noch  die  Kanzlei  Lothars  I.  nur  den
Amtstitel  notarius.  Unter  Ludwig  II.  tritt  schon  851  der  Titel
cancellarius  auf  und  behauptet  sich  hier  bis  864. 3  Eigenthümlicher
  Weise  findet  er  dann  im  selben  Jahre  858  Eingang  in
die  Recognitionsformel  der  Urkunden  Ludwigs  des  Deutschen, 4
und  Lothars  II., 5  hier  mit  dem  charakteristischen  Zusatz  reyiae

1  Archicancellarius  in  der  Recognition  von  nr.  172—174,  177,  archicappellanus
  von  nr.  175,  176.  Im  Texte  von  nr.  172  heisst  Liutbert  noch  archiepiscopus
  et  archicancellarius,  von  nr.  179  nur  archiepiscopus.
2  Vgl.  Waitz,  V.  G.  6,  277.
3  B.  626  (irrig  zu  850),  Orig,  in  Parma,  B.  633  ch.  s.  XIV,  drei  ungedruckte ­
  Originale  für  Montamiate  zu  Siena  853  Juli  4  (Herincus  d.
imperatoris  cancellarius),  M.  G.  Pabst,  Fattescbi  295  e  reg.  Farf.  vom
Jalire  857,  B.  655,  656  Orig,  in  St.  Gallen,  651  Orig,  in  Turin  von  861,
Fatteschi  297  und  ungedruckte  Urkunde  für  Farfa  (Rom  864  Februar
M.  G.  Bethmann)  e  reg.  Farf.,  Urk.  für  S.  Maria  in  Gaza  in  Lib.  privil.
s.  Mariae  in  Organo  zu  Verona  (bei  Ughelli  2,  716  ohne  die  Recognition
Adalbertus  canc.  ad,  vicem  Johannis  M.  G.  Laschitzer),  B.  650  =  658,
Orig,  in  Modena,  sämmtlich  von  864.  Ausser  Herincus  führt  diesen  Titel
noch  Adalbert  und  Werimbold.  Später  über  wiegt  wieder  der  geistliche
Titel  sacerdos,  preshiter,  diaconus,  daneben  noch  notarius.
4  13.  786,  788,  789,  Dümge  72,  B.  811,  814,  792,  793  sämmtlich  Originale.
Zuerst  B.  692,  Mabillon,  Dipl.  533  (das  Citat  bei  Böhmer  irrig)  ex  autogr.
In  den  Urkunden  des  jüngsten  Sohnes  Lothars  I.,  Karl,  findet  sich
der  litel  cancellarius  nur  in  B.  718.  Ob  B.  719  diesem  oder  Karl  von
Aquitanien,  dem  Sohne  Karls  des  Kahlen  zuzuschreiben  sei,  ist  fraglich;
            
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