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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 92. Band, (Jahrgang 1878)

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Mühlbache  r.

2.
Die  Kanzlei  Karls  III.
Kanzlei  und  Capelle  waren  unter  den  ersten  Karolingern
von  einander  getrennt. 1  Wie  im  Westreich, 2  so  blieb  auch
unter  Lothar  I.  und  Lothar  II.  diese  Trennung  bestehen; 3  nur
in  Italien  scheinen  sich  unter  Ludwig  II.  nähere  Beziehungen
zwischen  beiden  ausgebildet  zu  haben. 4  Unter  Ludwig  dem
Deutschen  sind  seit  854  die  beiden  Aemter  mit  einander  vereinigt, ­
 5  seit  856  findet  sich  der  Titel  archicapellanus  auch  in
der  Recognitionsformel. 0  Nach  kurzem  Schwanken  gelangt
dieses  Verhältniss  auch  in  den  Urkunden  Karlmanns, 7  in  jenen
Ludwigs  III. 8  aber  sogleich  zu  dauernder  Geltung,  um  sich

1  Siekel,  Urkundenlehre  101,  Waitz,  V.  G.  3,  436.
2  Als  Erzcaplan  erscheint  in  den  Urkunden  Karls  des  Kahlen  Ebroin  von
Poitiers  B.  1584,  1585,  1625;  nur  eine  undatirte  Urkunde,  Bouquet  8,
485,  welche  sich  nach  Tardif,  Mon.  hist.  95  nr.  140,  in  Copie  s.  XI  erhalten, ­
  trägt  die  Becognition  Hebroinus  episcopus  et  archicapellanus
relegit;  dieselbe  ist  für-  St.  Germain  des  Pres,  dessen  Rector  Ebroin  war,
ausgestellt  und  dieser  tritt  zugleich  als  Petent  auf.
3  Unter  Lothar  I.  wird  als  Erzcaplan  Drogo  von  Metz,  Bouquet  8,  390
nr.  34,  unter  Lothar  II.  Günther  von  Köln  in  B.  691  genannt.  B.  711,  angebliches ­
  Original  in  Paris,  mit  der  Eecognition  Ego  Grimlandus  advieem
Advencii  (von  Metz)  archicapellani  ist  Fälschung.
4  B.  664,  666,  667,  sämmtlich  Originale  in  Parma,  sind  ad  vicem  Faremundi
  recognoscirt,  der  im  Texte  von  B.  677  und  in  einer  Privaturkunde
Muratori  SS.  2 b ,  929,  als  diaconus  et  capellanus  bezeichnet  wird.  In
B.  666,  667  erscheint  ein  Leudoinus  arclüpresbiter  palatinus,  in  B.  669
Cod.  Langob.  323  (hier  irrig  zu  856  statt  871)  Orig,  in  Mailand,  ein  Gauginus
  sacerdos  atque  capellanus  als  Recognoscent.  Auch  später  treten  in
Italien  nur  capellani  auf.
5  Sickei,  Beitr.  zur  Dipl.  II,  Wiener  Sitzungsber.  39,  151.
6  Wartmann,  U.  B.  von  St.  Gallen  2,  67.
7  Die  ersten  Urkunden  B.  858,  Orig,  in  München,  Mon.  Boica  31,  101,
tragen  die  Recognition  Madalwinus  not.  ad  vicem  Baldonis  cancellarii,*
die  übrigen  —  zuerst  877  Juni  28,  M.  B.  31,  103,  diese  noch  ohne
Titel  —  sind  ad  vicem  Theotmari  archicappellani  gezeichnet.
8  In  der  ersten  Urkunde,  Hodenberg,  Verdener  Geschiclitsqu.  2,  15,  Orig,
in  Hannover,  ist  von  der  Recognition  nur  mehr  Wolfherius  canc  .  .  .
kenntlich.  Die  zweite  Urkunde  B.  879,  M.  G.  SS.  21,  373,  ist  schon
ad  vicem  Liutberti  archicapellani  recognoscirt.
            
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