334 Mülilbacher.
dass hier gleichzeitige Aufzeichnungen vorliegen. Sie wurde
zweifelsohne am Hofe Karls III. geschrieben.
Während nach dem Schlüsse des Werkes Hinkmars die
Jahrbücher von St. Vaast (Annales Vedastini) verlässliche
Nachrichten über Westfrancien geben, fehlen in Italien historische
Aufzeichnungen; es erhielt sich nur hie und da eine
vereinzelte Notiz.
,
Karl III., 1 der jüngste Sohn Ludwigs des Deutschen, geboren
839, vermählt 862 mit Richardis, der Tochter des Grafen
Erchanger, sollte nach dem Theilungsentwurfe von 865 Alamannien
und Churwalchen erben ; 2 seit dieser Zeit erscheint er
auch als Graf des Breisgaus. 3 Sein Name wird einigen Urkunden
seines Vaters beigefügt. 1 871 und 873 betheiligte er
sich an der Empörung gegen den Vater; 869 zog er gegen
die Obodriten, 871 führte er ein Heer gegen Karl den Kahlen
nach Burgund, 875 nach Italien; nirgends erntete er Erfolge.
876 August 28 starb Ludwig der Deutsche. 5 Am 8. October
schlug Ludwig III. Karl den Kahlen bei Andernach;
1 Der Beiname ,der Dicke“ tritt erst um die Mitte des 12. Jahrhunderts
auf, Dümmler, Geschichte des ostfränkischen Reichs 2, 292 A. 92. In
Italien liiess man ihn 875, um ihn von Karl dem Kahlen zu unterscheiden,
Karoleto, M. G. SS. Langob. 229. In den italienischen Königslisten
wird er gewöhnlich Carolus rninor genannt.
2 Adonis chron. Cont., Erchanberti Cont. Aug. M. G. SS. 2, 325, 329.
3 Wartmann, Urkundenbuch von St. Gallen 2, 148, gegen Dümmler, Ostfränk.
Reich 1, 560 A. 57, der irrig schon 8G2 annimmt; es heisst
sub Karolo principe, principe in comitatu Prisigauge, comite pctgi illius,
Wartmann nr. 534, 551, 553, 555, 571, 575, 579, 585. An ihn ist auch
das Mandat B. (Böhmer, Reg. Kar.) 836 gerichtet, welches auch vom
Monachus Sangallensis, Jaffe, Bibliotheca 4, 680, erwähnt wird.
4 Als gleichzeitig bezeichnet Sickel, Beitr. zur Dipl. II, Wiener Sitzungsberichte
39, 128 vgl. 36, 393, die Unterschrift in B. 799 für St. Gallen,
B. 805 für St. Felix und Regula in Zürich, B. 849, 850 für Faurndau,
Pertinenz von St. Gallen, als von Hebarhard selbst nachgetragen in B.
851 Güter im Linzgau betreffend, als unentschieden in B. 782, Schenkung
im Thurgau. Vgl. Ficker, Beitr. zur Urkundenlehre 1, 280. Dazu kommt
noch B. 815, Orig, in Paris, Besitzungen von St. Denis in Alamaunien
betreffend.
5 Dümmler, Ostfränk. Reich 1, 849 A. 1.