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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 92. Band, (Jahrgang 1878)

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B  ü  d  i  u  g  e  r.

seinen  Gunsten,  als  die  am  22.  Januar  1795  1  aus  den  Kerkern
des  Nationalconventes  entlassene  Gemahlin  des  Gefangenen  im
September  d.  J.  mit  ihren  beiden  Töchtern  in  Wien  erschien.
Theils  durch  die  alten  Verbindungen  der  Familie  ihres  Vaters,
der  Noailles,  theils  durch  die  ihrer  Freundin  der  Prinzessin
Auguste  von  Arenberg,  Gräfin  von  der  Marek,  wusste  sie  bei
einigen  der  grössten  Familien  des  Reiches  Sympathien  für  ihre
Sache  zu  erwecken. 2  Durch  den  greisen  Oberstkämmerer
Fürsten  Wolfgang  Franz  Xaver  Rosenberg,  ohnehin  einen  lebhaften ­
  Gegner  der  Thugut’schen  Politik 3  wurde  sie  insgeheim
bei  dem  Kaiser  eingeführt,  von  ihren  Töchtern  begleitet.  Die
Freilassung  ihres  Gatten  erklärte  Kaiser  Franz,  da  seine  Hände
gebunden  seien  und  die  Angelegenheit  nicht  von  ihm  allein
abhänge,  für  unmöglich.  Ihrem  Wunsche,  mit  ihren  beiden
Töchtern  seine  Gefangenschaft  theilen  zu  dürfen,  willfahrte  er. 4
,Unter  anderem  sagte  er  zu  ihr,  dass  sie  wohl  thäte,  dass  er  an
ihrer  Stelle  ebenso  handeln  würde'. 5  In  jedem  Momente  konnten
die  Frauen,  welche  seit  dem  16.  October  0  1795  die  Olmützer
Haft  theilten,  dieselbe  verlassen;  aber  in  dieselbe  zurückzu-1

  Lasteyrie,  vie  de  M rae  de  Lafayette  334.
2  Sie  war  an  eine  Schwester  des  Grafen  empfohlen  und:  eile  revit  M ines
d’Ursel  et  de  Windischgratz,  parentes  de  M me  Auguste  d’Arenberg.  —
Elle  reQut  de  ces  dames  les  plus  toucliantes  marques  d’amitie.  Auch  in
einem  Briefe  aus  der  Olmützer  Haft  an  den  Vicepräsidenten  des  Hofkriegsrathes
  Grafen  Ferraris  sendet  sie:  mille  tendres  compliments  pour
M mes  de  Windischgratz  et  d’Ursel.  A.  a.  O.  352,  355,  569.
3  Besonders  bezeichnend  ist  nach  seinem  am  14.  November  1796  erfolgten
Tode  Thugut’s  bitteres  Schreiben  vom  2.  December  bei  Vivenot,  vertrauliche ­
  Briefe  I,  363.
4  Lasteyrie  353,  Memoires  IV,  272  in  einem  Briefe  der  Dame  vom  10.  Mai  1796.
Die  Aeusserung  in  demselben  Briefe,  dass  der  Kaiser  die  Schuld  ausdrücklich ­
  auf  Preussen  geschoben  habe  (vgl.  oben  S.  232,  Anm.  6),  wird  sonst
nirgends  erwähnt  und  scheint  nur  Schlussfolgerung  der  entrüsteten  Verfasserin. ­

5  Wattenbach  (Heidelb.  Jahrb.  1870)  731.
6  Das  Datum  nach  der  von  der  Dame  bei  ihrer  Entlassung  am  18.  September ­
  1797  als  richtig  Unterzeichneten  ,specification‘  ihrer  Einnahmen
und  der  für  sie  geschehenen  Ausgaben  im  Gesammtbetrage  von  6151  fl.,
da  sie  mit  ihren  Töchtern  im  Gefängnisse  auf  eigene  Kosten  lebte.
Registratur  des  Reichskriegsministeriums  1797,  Dep.  Lit.  G,  n.  11921.
            
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