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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 92. Band, (Jahrgang 1878)

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Büdi  n  ger.

fahrten  in  Begleitung  nur  eines  Corporals  unternehmen,  dem
erst  nach  einem  Wechsel  im  Festungscommando  noch  ein
Gemeiner  beigegeben  wurde. 1
Es  kann  mich  in  diesem  Zusammenhänge  sein  Fluchtversuch ­
  vom  8.  November  nicht  weiter  beschäftigen,  über
welchen  die  Acten  (vgl.  Anhang  C)  bis  in  alle  Einzelheiten
eine  vollkommen  authentische  Kunde  geben. 2  Selbstverständlich ­
  trat  nach  dem  Missbrauche  der  ihm  gewährten  Freiheiten
eine  grössere  Strenge  der  Bewachung  ein  und  wurden  alle  mit
derselben  betrauten  Militärpersonen  bestraft. 3  In  wie  seltsamer
Lage  sich  aber  die  kaiserliche  Regierung  ihrem  europäischen
Aufträge  gegenüber  befand,  zeigt  schon  die  Thatsache,  dass  der
enthusiastische  junge  Mediciner  aus  Südcarolina  und  der  unruhige
deutsche  Literat,  welche  den  Fluchtversuch  veranlasst  hatten,
nach  harter  Untersuchungshaft,  mit  halber  Einrechnung  der
ihnen  zuerkannten  einmonatlichen  Gefängnissstrafe,  und  gegen
Ersatz  der  dem  Aerar  bereiteten  Kosten,  freigelassen  wurden. 4

1  Die  seltsame  Thatsache  erfährt  man  zuerst  aus  der  Aussage  des  Kutschers
(Anhang  C,  n.  2)  und  wird  in  dem  Vorträge  des  Hofkriegsraths  an  den
Kaiser  (Anhang  C,  n.  5)  auch  besonders  gerügt
2  An  die  Stelle  der  drei  sich  vielfach  wiedersprechenden  Berichte  der  Betheiligten ­
  (vgl.  Lafayette  45  f.)  treten  diese  entscheidenden  Nachrichten.
3  Doch  lehnte  der  Kaiser  den  Antrag  ab,  den  wieder  eingebrachten  Flüchtling ­
  drei  Monate  in  Eisen  zu  legen,  während  er  im  Uebrigen  die  ,angetragenen ­
  Beahndungen  derjenigen,  die  durch  ihre  Schuld  zur  Erleichterung
der  versuchten  Flucht  des  La  Fayette  beigetragen  haben 4  bestätigte.
Eigenh.  Resolution  auf  den  Vortrag  vom  16.  Jänner  1795  bei  einem
Schreiben  des  Hofkriegsrathspräsidenten  Grafen  Wallis  an  Thugut  vom
29.  Jan.  1795.  Staatsarchiv.  Die  Bestrafung  der  Militärs  s.  in  Anhang  C,  n.  5.
4  ,Diese  wunderbare  Milde 4  sucht  Varnhagen  in  den  ,Denkwürdigkeiten
BollmannV,  (ausgewählte  Schriften  Leipzig  1875,  XVII,  215)  durch  weibliche ­
  und  fürstliche  und  freimaurerische  Einwirkungen  und  daraus  zu
erklären,  dass  .die  österreichische  Regierung  im  Praktischen  von  jeher
einen  freien  Geist  gezeigt,  der  bei  ausserordentlichen  Dingen  nicht  karg
am  Hergebrachten  haftet 4 .  Ueber  die  abweichende  Erzählung  einer  Verwandten ­
  des  andern  Gefangenen  Huger,  die  er  in  Uebersetzung  bringt,
urtheilt  er  mit  wesentlich  ablehnender  Kritik  (S.  250);  gewiss  scheint  nur,
dass  Huger  bei  seiner  Entlassung  von  einem  Juristen  um  50  Goldstücke
geprellt  wurde.  Da  der  verdiente  Geschichtschreiber  hervorragender
Deutscher  in  Amerika,  Herr  Dr.  Friedrich  Kapp,  eben  mit  einem  Leben
des  Hauptbetheiligten,  des  Dr.  Bollmann,  beschäftigt  ist,  so  ist  zu  wünschen,
dass  ihm  aus  Bollmann’s  Papieren  eine  Aufklärung  über  diese  Sache
            
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