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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 92. Band, (Jahrgang 1878)

Lafayette  in  Oesterreich.

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Abend  nach  Olmütz  gebi’acht  wurden.  Kaiser  Franz  gab  nur
im  Allgemeinen  den  Befehl,  die  Gefangenen  mit  Humanität  und
mit  den  Aufmerksamkeiten  für  ihre  Erleichterung  und  ihre
Gesundheit  zu  behandeln,  welche  mit  ihrer  Lage  verträglich
seien. 1  So  wurden  sie  nach  Olmütz  geführt  und  dort  gehalten. ­
  2
Nicht  ohne  Bedeutung  ist  nun  die  Bezeichnung,  welche
Lafayette  in  den  Acten  des  über  die  wahre  Bedeutung  seiner
Gefangenschaft  voraussichtlich  doch  gut  untemchteten  Polizeiministers ­
  Grafen  Pergen  gegeben  wird.  Er  erscheint  hier  im
Herbste  1794 3  als  ,der  in  der  Festung  Olimtitz  in  Verwahrung
gehaltene  französische  Staatsgefangene'.  Von  dem  europäischen
Aufträge  ist  also  auch  hier  nicht  wieder  abgesehen  und  die
Haft,  wde  in  Preussen,  als  in  Vertretung  der  Emigrantenregierung ­
  vollzogen  aufgefasst.  So  viel  ich  sehe,  ist  das  aber  des
leitenden  Staatsmannes  Thugut  Ansicht  niemals  gewesen.
Noch  war  kein  Jahrzehnt  verstrichen,  seit  Lafayette  zum
ersten  Male  in  Oesterreich  geweilt  hatte.  Damals,  im  September ­
  1785,  war  er,  noch  im  vollen  Glanze  seiner  fürstlichen
Lebensstellung  und  seines  amerikanischen  Kriegsruhmes,  Gast
im  Kaunitz’schen  Palais  in  Wien  gewesen,  hatte  die  Wiener
Freimaurerloge  mit  seinem  Besuche  beehrt 1  und  den  Manövern
bei  Prag  beigewohnt.  Vielleicht  hat  bei  den  zu  allen  Zeiten
ungewöhnlich  gewesenen  Freiheiten,  die  man  zunächst  dem
Gefangenen  liess,  die  Erinnerung  an  die  Beziehungen  mitgewirkt, ­
  welche  er  damals  anknüpfte.  Er  durfte  selbst  Spazier-1
  —  avec  humanite,  et  des  attentions  pour  leur  Soulagement  et  leur  sante
compatibles  avec  leur  position.  Instruction  Thugut’s  an  Chasteler  im
Anhang  D.
2  Das  Nähere  Lafayette  44.  Speciell  verfügte  ,in  Abwesenheit  S.  M.  des
Kaisers 1  Erzherzog  Leopold,  schon  am  6.  Mai  1794,  dass  die  Gefangenen
wie  in  Preussen,  im  Uebrigen  wie  Beurnonville  gehalten  werden  sollten,
dem  unter  Anderm  Spazierfahrten  gestattet  waren.  Registr.  des  Reichskriegsministeriums ­
  a.  a.  O.
3  Registratur  des  ehemaligen  Polizeiministeriums:  ,Acten  des  in  der  Festung
Ollmütz  in  Verwahrung  gewesenen  französischen  Staatsgefangenen  la
Fayette  und  dessen  Wiedereinbringung  betr.‘
4  G.  Brabee,  sub  rosa,  vertrauliche  Mittheilungen  aus  dem  maurerischen
Leben  unserer  Grossväter.  Wien  1879  (Rosner),  S.  12.
            
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