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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 92. Band, (Jahrgang 1878)

Krösus’  Sturz.

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sondern  die  Wirklichkeit  wiederzugeben  schien'. 1  Das  ist  nun
freilich  eine  rationalistische  Kritik  von  zweifelhaftem  Werthe.  2
In  einem  Zusatze  zu  der  Schlusserzählung  des  neunten  Buches
(IX,  122)  gibt  übrigens  Herodot  einen  Dialog  zwischen  Cyrus
und  Artembares  vor  der  Persergemeinde,  der  ganz  an  Xenophon’s
  Darstellung  erinnert  —  einen  Dialog,  der  vielleicht  auf
den  nach  Athen  geflüchteten  jüngeren  Zopyrus  zurückgeht 3  —
wie  Herodot  ja  auch  die  Glaubwürdigkeit  der  ähnlichen  Berathung
  über  die  beste  Staatsform  nach  dem  Magiermorde
nachdrücklich  (III,  80,  VI,  43)  betont.
Ich  denke,  man  wird  Xenophon’s  von  Herodot  abweichender ­
  Entscheidung  über  den  Werth  ihrer  Quellen  ihre  Berechtigung ­
  nicht  versagen,  die  Möglichkeit  seiner  besseren  Information ­
  aber  bei  gleicher  Wahrheitsliebe  und  besserer  kritischer
Schulung  eines  Schülers  des  Sokrates  —  man  vergleiche  die
nüchterne  Bemerkung  VII,  2,  29  —  durchaus  zugestehen  müssen.
Nach  Xenophon  nun  begann  Krösus’  Krieg  gegen  Cyrus
überhaupt  erst  nach  einer  Aufforderung  des  Königs  von  Babylon, ­
  und  ist  Krösus  diesem  nur  zu  Hilfe  gezogen, 4  während
bei  Herodot’s  Darstellung  von  lydischem  Gesichtspunkte  vielmehr ­
  (I,  77)  die  Ladung  von  Krösus  ausgeht.  Bei  Xenophon
werden  Babylonier  und  Lyder  vereinigt  in  einem  ersten
Kampfe,  in  welchem  auch  der  babylonische  König  fällt,  besiegt;
1  AuSol  [xev  or)  m.b  IIsp<j7|ai  eoeSoüXwvxo  —  was  er  nach  Xanthos  erzählt,
Kirchhoff,  Nachträgliche  Bemerkungen  in  den  Berliner  akad.  Abhandl.
1871,  S.  49  —  EJtioKrjxai  8e  or]  xo  evOeuxev  rjjrtv  o  Xbyo?  xov  te  Küpov,  oaxi;
ecüv  xrjv  Kpoloou  £pyr\'i  xaÖEiXs  za  1  xouc  llspcac  oxem  xpo'jtm  qyvjaavxo  x%
’AcrfyjC.  '£2;  ojv  IiEpo’&ov  jaExE^xspot  X^youai  ot  jjltj  ßouXop.evoi  asp-vouv  xd  TXEpi
Kupov  aXXa  xov  eovxa  XsyEtv  Xoyov,  zaxa  xauxa  ypdtW  E-mxdu.EVoc  jrepl  Kupou
zal  xpitpacia;  aXXa?  Xoywv  ooolig  tprjvai  (I,  95).  Der  ITauptuntersehied  ist,
dass  Xenophon  auch  die  lydischen  Geschichten  nach  persischer  Quelle
erzählt  und  für  die  richtigste  Erzählung  die  sonst  gut  bezeugte,  wenn
auch  nicht  wahrscheinlichste  hielt.
2  Mit  Duncker  (IV,  279)  die  medische  Version  der  Sage  bei  Herodot  erkennen ­
  zu  wollen,  scheint  mir,  da  er  die  Perser  ausdrücklich  nennt,  unzulässig. ­

3  Kirchhoff,  lieber  die  Abfassungszeit  des  herodotischen  Geschichtswerkes
(Berliner  akad.  Abhandl.  1868)  17.
4  I,  5,  3-;  so  nennt  auch  Kyaxares  unter  den  Helfern  der  Assyrier  Krösus
mit  seinen  Truppen  II,  1,  5;  dieser  selbst  sagt  noch  als  Gefangener  VII,
2,  22:  dvEjtEiaOrjv  6-b  xou  ’Aaoupfou  scp 1  updc  axpaxEuEaSat.
Silzungsler.  d.  pHl.-hist.  01.  XCII.  Bd.  I.  Hft.  14
            
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